L.A. – Abseits des Verstörenden
May11

L.A. – Abseits des Verstörenden

Die Stadt sei verstörend und begeisternd zugleich, schrieb Jörg Häntzschel, Autor der Süddeutschen Zeitung – wer schon mal in Los Angeles war, der weiß genau, was er damit meinte. Ich hatte mit Los Angeles oder auch L.A. lange nur vollgestopfte Autobahnen, das riesige Hollywood-Schild und den Walk of Fame in Verbindung gebracht. Nichts also, was ich mir unbedingt mehrmals im Leben geben muss. Dann assoziierte ich mit der Stadt vielleicht noch Baywatch und die 90er-Jahre-Serie “Beverly Hills 90210”. Verstörendes also. Noch vor einigen Jahren hätte ich nie gedacht, dass ich einmal in Kalifornien leben würde, 150 Kilometer von der Zwölf-Millionen-Einwohner-Stadt Los Angeles entfernt. Jetzt lässt es sich nicht vermeiden, dass ich ab und zu nach L.A. muss. Sei es darum, einen geliebten Menschen aus der Heimat vom Flughafen abzuholen oder um eine neues Sofa zu kaufen. Nach L.A. zu fahren, bedeutet immer Stau. Das ist einer der Gründe, weshalb ich nicht aufgegeben habe, nach dem L.A. zu suchen, in das ich mich verlieben würde. Dem begeisternden L.A. also. Die Strapazen sollten sich schließlich lohnen. Coolstes Viertel mit italienisch inspirierten Kanälen Ich habe dieses L.A. gefunden. Es hat nichts mit dem Venice Beach zu tun, dessen Strandpromenade mit Souvenir-, Verkaufsständen und Touristenmassen überfüllt ist. Aber bei Venice Beach fange ich nun an. Venice wurde von Abbot Kinney, einem Zigarettenhersteller aus New Jersey, als Badeort mit italienisch inspirierten Kanälen gegründet. Und genau dieser Abbot Kinney ist der Namensgeber meiner absoluten Lieblingsstraße. Der Abbot Kinney Boulevard nennt sich selbst “the coolest block of America” (“das coolste Viertel Amerikas”) – wie ich finde, mit Recht. Wer nach L.A. kommt, sollte unbedingt versuchen, den ersten Freitag eines Monats zu erwischen. Dann fahren ab 18 Uhr zahlreiche Food Trucks auf dem Abbot Kinney Boulevard auf. Vom typischen Hot-Dog-Truck über Sushi, Vietnamesisch, Koreanisch bis hin zum Eiscreme-Truck gibt es alles, was unter Fast Food dieser Welt vorstellbar ist. Der Boulevard füllt sich schnell mit Menschen, vor allem Einheimischen, die das erste Wochenende des Monats bei den Food Trucks beginnen und von dort aus ins Nachtleben schweifen. Noch mehr liebe ich den Abbot Kinney Boulevard an einem gewöhnlichen Tag, wenn die Sonne die hübschen Hausfassaden in ein noch schöneres Licht taucht. Ich kann mich dann nicht entscheiden, ob ich meinen Soja Latte im witzigen Hinterhofgarten von “Toms Flagship” genießen will oder im modernen “Intelligentsia Coffee & Tea”, dessen Kaffee mir so gut schmeckt, dass ich mir die Bohnen mittlerweile nach Hause schicken lasse. Einen ganzen Tag könnte ich hier ohne Probleme verbringen, der – wenn nicht vor einem Food Truck – bei einem leckeren Abendessen im Restaurant “The tasting kitchen” endet. Auf der Suche nach etwas wirklich...

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