Streetfood in München – cool, lecker und günstig
May22

Streetfood in München – cool, lecker und günstig

Wohl nicht ganz zu Unrecht hat meine Wohnstadt den Ruf eines eher spießigen und teuren Ortes. Kein Wunder, denn München belegt den ersten Platz in der Rangliste der teuersten Städte für Studenten in Deutschland. Damit sind zwar in erster Linie die Mietpreise gemeint, doch generell lebt es sich in der Landeshauptstadt Bayerns kostspieliger als in manch anderen deutschen Städten oder auf dem Land. Auch der Chichi-Flair, die leicht schwerfälligen, grantigen Züge seiner Einwohner,  die auf so manche(n) uncool wirken mögen, sind München nicht ganz abzusprechen. Dafür wird die Stadt aber ebenso als eine der lebens- und sehenswertesten auf den weltweiten Ranglisten aufgeführt – auch das hat seine Gründe. Aber für Reisende mit schmalem Budget gibt es eine gute Nachricht: Auch ohne tief in die Tasche greifen zu müssen, lässt sich hier Schönes, Cooles und Einzigartiges entdecken. Das gilt für Sehenswürdigkeiten, wie fürs Essen. Selbst jene, die gerne gut essen, aber kein dickes Portemonnaie mit sich tragen, werden fündig: Wenn sie gewillt sind, ein paar Schritte abseits einer touristischen Hauptschlagader zu schauen. Der Ochsn’brater am Viktualienmarkt Mein erster Tipp liegt im Herzen des touristischen München, ein Pflaster, von dem sich wohl die meisten Einheimischen – ich zumindest – vor allem Samstags fernhalten dürften. Er richtet sich an Allesfresser, denn Bayerns Spezialitäten sind nun einmal deftige Fleischgerichte, Braten, Würste, Leberkäs und dazu ein Bier. Wenn sich also nach einem Bummel durch die aus allen Nähten platzenden Gegend um den Marienplatz der Hunger meldet, lohnt der kurze Gang zum Viktualienmarkt. Hier wartet der “Kleine Ochs’nbrater”, ein wahrlich bayrischer Bio-Imbiss, der zwar keine leichte, aber dafür umso herzhaftere Kost auf dem Programm hat. Wer Vitamine sucht, ist hier fehl am Platz. Den Klassiker, die saftige “Ochs’n Semmel” (5,90 Euro), empfehle ich als Mittagssnack ganz besonders. kleinerochsnbrater.de/Viktualienmarkt 11. Leider hat der Imbiss Sonntags geschlossen. Das “Fräulein Grüneis” am Eisbach Am südlichen Eingang in den Englischen Garten, zwischen dem Haus der Kunst und dem Nationalmuseum wurde ein ehemaliges Toilettenhäuschen in einen hippen Kiosk im Grünen umgewandelt. Bei “Fräulein Grüneis” am Eisbach kehren Hipster, Surfer, Geschäftsleute und wer sonst noch gerade vorbeispaziert ein. Die Liebe, die in die Gerichte und hausgemachten Kuchen auf der Tageskarte fließt, dürfte beinahe jeden Geschmack treffen: Von Kuchen bis Suppen, auch für Vegetarier ist immer etwas Attraktives dabei, etwa die nahrhafte indische Linsensuppe (circa 5 Euro). Wer zu Fräulein Grüneis will, kann auch einen Blick auf die Surfer der Eisbachwelle werfen – eine Kuriosität Münchens, die jeden Tag unzählige Touristen an die Eisbachbrücke lockt, im Sommer wie im Winter. Fräulein Grüneis lässt sich von der Eisbachbrücke bzw. Prinzregentenstrasse kommend leicht finden – der Weg zu “ihr” ist beschildert. fraeulein-grueneis.de/ Lerchenfeldstrasse 1a...

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Fotowerk – Sechs Fragen über das Reisen an den freien Berliner Lichtbildner, Wolf Siesing
Mar11

Fotowerk – Sechs Fragen über das Reisen an den freien Berliner Lichtbildner, Wolf Siesing

Wolfgang Siesing arbeitet seit über 20 Jahren als Fotograf. Irgendwie ist er, obwohl er eigentlich Lehrer werden wollte, über Kunsthochschule und diverse Projekte an der Fotografie hängen geblieben. “Keine schlechte Wahl”, findet er heute. Mit Ausnahme der Pole hat Wolf bisher mit seiner Kamera alle Kontinente und darauf unzählige Länder betreten, von Russland, bis hin zum Irak, Usbekistan, Afghanistan und ebenso entlegene Flecken wie die Osterinsel – um nur einige wenige der ausgefalleneren Reiseziele zu nennen. “Die USA habe ich sehr gern bereist” sagt er, “und war bisher in 20 Bundesstaaten unterwegs, aber noch nie bei den Kanadiern. Total bescheuert, muss sich ändern”. Finde ich auch. Mal genau und unvoreingenommen, dann wieder geistreich und bedrückend, mal dokumentierender Beobachter, mal dichtender Lichtbildner, der sich nicht davor scheut, seinen Realitätsaufnahmen den Anflug eines Traums zu geben: Wenn ich in Wolfgangs Fotowerk krame, finde ich fantastische und fremdartige Momente, irre führende Brocken einer grösseren Geschichte, Skurriles und Komisches, Schönheit und Ehrfurcht vor der Welt, wie sie mit uns Menschen leibt und lebt. Ich durfte ihm sechs Fragen stellen, die er mit je einem Foto – und dem ein oder anderen Tipp -beantwortet. „Der Himmel – ein Zelt – die Weite – das Dach“ – Freiheit?  Kann Einsamkeit schön sein? Verstehen wir die Welt besser, wenn wir reisen? Wer nur die heimische Tapete anschaut, findet das irgendwann toll. Alles andere wird dann zur fremden und unbekannten Welt – und mit zunehmenden Alter kann es gar zur Bedrohung werden. Wer immer nur im Harz hockt, läuft irgendwann Gefahr, den Harz für die Welt zu halten War Dir einmal irgendwo mulmig zumute? Mir ist oft mulmig, wenn ich unterwegs bin – das ist auch mein körpereigenes Radar. Wer behauptet, dass er keine Angst kennt, gehört in ärztliche und therapeutische Beratung, oder ist schlicht ein Vollidiot. Ich ziehe oft gern noch abends um die Häuser und hatte mich in einigen Landstrichen schon beim ersten Bier gefragt, ob das nun eine so geniale Idee war, gerade in dieser Bar, gerade in diesem Viertel den Abend beenden zu wollen. Doch irgendwie schleppte ich immer wieder einen freundlichen kleinen Schutzengel auf der Schulter, der mir bisher rechtzeitig ins Ohr flüsterte, dass es Zeit ist, für eine kleine Luftveränderung. Diesen Engel sollte man gut behandeln, ihm regelmäßig eine Kerze weihen und in Abständen immer wieder still auf ihn trinken. Dann wird er dich begleiten, bis zum Ende deiner Tage. Haben Clichés Hand und Fuss? Keine Ahnung, ob sie mit Händen oder Füssen in der Gegend rumlaufen – ich habe (wie wahrscheinlich jeder Reisende) die Erfahrung gemacht, dass zumindest gängige Vorurteile immer wieder ad absurdum geführt werden. Du sitzt etwa in Tel Aviv...

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Marrakesch Flash: Blitz-Streifzug durch Tausend und eine Nacht
Jan24

Marrakesch Flash: Blitz-Streifzug durch Tausend und eine Nacht

Bis dato blieb Marokko – abgesehen von vagen Vorstellungen, aus Reiseartikeln und den Erzählungen anderer zusammengefügt – ein eher dunkler Fleck auf meiner inneren Weltkarte. Gleich zu Jahresbeginn bekam ich jedoch die Gelegenheit für kurze Zeit in den Puls der Königsstadt Marrakesch und ihrer Umgebung einzutauchen – für mich fremdartiges Terrain, dessen Betretung ich mit, zugegebenermassen, auch etwas Aufregung entgegen blickte. Zu Recht, denn alleine ein Streifzug durch das bunte Treiben von Marrakeschs Medina kann für das mitteleuropäische, uninitiierte Gemüt zu einem reizüberflutenden Erlebnis werden. Ebenso vermag ich es jetzt aber zu verstehen, weshalb die Stadt bis heute Literaten, Künstler und Schöngeister aus aller Welt inspiriert hat: Ich finde ein märchenhaftes Sammelsurium vor, aus Chaos und Ordnung, Schönheit und Verfall, Armut und Reichtum, Afrika-Orient-Europa, die mich neugierig auf mehr macht. Djemaa el Fna gilt als das Herz der von einer ca. 18,5 Kilometer langen Stadtmauer geschützten Medina: Ehemals Hinrichtungsstätte, heute ein belebter Marktplatz und Touristenmagnet. Tagsüber verführen hier unzählige Stände zum Genuss köstlicher Datteln sowie anderer einheimischer Trockenfrüchte, Nüsse, Gewürze und, natürlich, frisch gepresstem Orangensaft. Im Nu kann es passieren, dass der oder die Besucher(in) dem pfiffigen Charme so manchen Verkäufers unterliegt um in einen Dattel-Einkaufsrausch zu verfallen. Abends verwandelt sich der Platz in einen Tumult aus Farben, Geräuschen und Gerüchen – die Bühne wird von Gauklern, Schlangenbeschwörern, Geschichtenerzählern und Musikern eingenommen. Im Hintergrund und nichtsdestotrotz tonangebend sorgt der Muezzin der benachbarten Koutoubia-Moschee für den morgenländischen Soundtrack. Das Schauspiel hat es in sich, und lässt sich meinem ersten Eindruck nach am besten bei einem echten marokkanischen Minztee in einem der vielen, teils mediterran anmutenden Cafés, die den Djemaa el Fna säumen, ausklingen lassen – n.b. die Minze ist in der Regel frisch! Wenn es anfängt zu dämmern, eröffnen die Garküchen ein riesiges, dampfendes Freiluft-Restaurant am Djemaa el Fna. Die farbenfrohen Küchen halten für jeden Gusto etwas bereit und erfreuen sich bei Touristen gleichermassen wie Einheimischen grosser Beliebtheit. Der Platz bildet ebenfalls den Eingang in die labyrinthartigen Gassen der Souks: Hinein in ein weiteres, wundervolles wie nervenaufreibendes Chaos. Das Gefühl hier gemächlich durch schlendern zu können trügt. Von allen Seiten prasseln Eindrücke ein, Rufe und Aufforderungen zum Geschäft, während ich mit Mühe Augen und Ohren in sämtliche Richtungen offen halte, um etwa nicht von einem der plötzlich um die Ecke, durch die engen, überbevölkerten Gassen schiessenden Mopeds umgefahren zu werden. Die Erlösung der Sinne von dem teils furiosen Gewimmel und Getöse der Stadt verspricht die mächtige Hintergrundkulisse von Marrakesch, der Hohe Atlas, zu dieser Jahreszeit weiss verschneit. So werde ich während eines Tagesausflugs in eine erneut mir fremden Welt entlassen, die nur 65 Kilometer von Marrakesch trennt: Raus aufs Land,...

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Tofino – wo der Westen schmeckt am besten
Dec17

Tofino – wo der Westen schmeckt am besten

Tofino und ich, das habe ich längst zu einer Liebesgeschichte erklärt, vermutlich eine lebenslängliche. Wiederholte Besuche über viele Jahre, ein ganzes Jahr Leben dort und bis heute scheine ich immer noch nicht genug zu haben. Jedes Mal, wenn ich dieses abgelegene Örtchen am Ende der Strasse im Westen wieder aufsuche, das erste Mal den Nordwest-Pazifik rieche, seinen Wellen “hallo” sagen oder während einer klaren Nacht betört unter seinem Sternendach stehen darf, erklingt derselbe Satz in meinem Kopf. “Jetzt bin ich glücklich.” Warum? Natur Tofino liegt auf einer abgelegenen Landzunge, an der Westküste Vancouver Islands in British Columbia. Es ist umgeben von Wasser, auf der einen Seite der offene Ozean, auf der anderen die fjordartige Landschaft des Clayoquot Sound – ein UNESCO Biosphärenreservat. Das Gebiet beherbergt einige der weltweit letzten, intakten Bestände des Regenwaldes der gemässigten Breiten. Die zum Teil Jahrhunderte alten Giganten – Sitkafichten und Riesenlebensbäume – lassen sich auf den zahlreichen, gut ausgelegten Pfaden im angrenzenden Pacific Rim Nationalpark bestaunen. Durch den Urwald führen diese Wanderwege den Besucher an einige der schier unendlich erscheinenden Sandstrände des Parks. Der wahre Luxus bedeutet für mich hier, dass ich mir die Herrlichkeit dieses Naturraumes nicht mit vielen anderen Menschen teilen muss. Selbst im Sommer, wenn Touristen aus aller Welt einströmen, gibt es kaum Zusammenstösse. Diesmal komme ich im Winter zurück, zu den Stürmen, den ebenso besänftigenden, wie heftigen Geräuschen des Regens und der Winde, aber auch zurück zu den Glücksstrahlen der plötzlich aufblitzenden Sonne, inmitten unberührter Schönheit. Abenteuer Nicht nur ca. 1800 Menschenseelen – im Winter (!), denn während der Sommersaison werden es durchaus mehr – bevölkern Tofino. Die Umgebung gehört ebenso, oder vielmehr, unzähligen Schwarzbären, Berglöwen (Pumas), Wölfen, Waschbären und nicht zuletzt den Walen, die hier von Oktober bis März auf ihrem Weg gen Süden auf der Suche nach Nahrung vorbei ziehen. Wenn sich ein Orca direkt im Hafen von Tofino sichten lässt oder sich ein Schwarzbär am Strassenrand zeigt, freuen sich Erwachsene ebenso wie Kinder, Einheimische wie Touristen. Die Magie solcher Begegnungen lässt sich schwer in Worte fassen – nicht von ungefähr, wird dieses Fleckchen Erde auf einer Insel “Peter Pan Land” genannt. Wer nicht auf solche Überraschungen warten kann, bucht einfach eine der zahlreichen Wal- und Bärenbeobachtungstouren im Boot, z.B. mit Remote Passages in Tofino. Im Winter halten die Bären natürlich ihren Schlaf, während sich die Wale in Mexiko weiter ihre Bäuche vollschlagen. Wer trotzdem raus aufs Wasser möchte und während dessen noch das ein oder andere Geschöpf des Ozeans, wie Seelöwen oder Meerotter erblicken möchte, unternimmt einen Ausflug zu den Hot Springs im Maquinna Marine Provincial Park. Mit etwas mehr Glück kommt einen auf der Bootsfahrt dorthin selbst...

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Fräulein Sina und ihr Gespür für Schnee(hunde)
Nov12

Fräulein Sina und ihr Gespür für Schnee(hunde)

Vor einigen Jahren, nach ihrem Studium, beschloss die junge Sina ihre Heimat, die Schweiz und das Vertraute erst einmal hinter sich zu lassen. Ende 2009 packte sie resolut ihren Rucksack um alleine durch Asien, Australien und Neuseeland, die USA und schliesslich Kanada zu touren. Ich traf Sina – alias Ursina Ammann – auf einer ihrer letzten Stationen, in einem Café in Tofino, einem abgelegen Dörfchen am Rand der Welt, auf Vancouver Island, B.C.  Beinahe am Ende ihrer Weltreise angelangt, hatte Sina für sich einen Plan ausgeklügelt – in ihr ‚normales‘ Bürodasein wollte sie nicht zurückkehren, sondern sich lieber zum Kanu- und Wanderguide in Alaska ausbilden lassen. Kein Wunder, schaffte sie es doch bei unseren nächtlichen Lagerfeuern am Ozean als Einzige, dem feuchten Treibholz eine Flamme zu entlocken. Sina’s Pfadfindergeist und Lust auf Abenteuer in der Natur, wurde damals erst richtig entfacht. Sina, was hat Dich bewogen 2009 Deine Sachen zu packen und für ein Jahr durch die Welt zu ziehen? Mein Studium war seit ein paar Monaten abgeschlossen, ich war 25 Jahre alt und arbeitete seit einer Weile in einem Büro als Assistentin der Geschäftsleitung: ein guter Job, mit einem tollen Team und angemessener Bezahlung. Ich wohnte in einer schönen Wohnung in Zürich, besass ein Auto – eigentlich schien alles so, wie es hätte sein sollen. Dennoch wurde ich das ungute Gefühl nicht los, dass es im Grunde genommen keine Rolle spielte, ob ich 25 oder 55 war, denn genau so hätte mein Leben auch die nächsten 30 Jahre aussehen können. Auf einmal wollte ich weg von all dem. Ich wusste nicht, was ich statt dessen wollte oder was es für eine Alternative gab; ich wusste nur, dass ich DAS nicht wollte. Etwas in mir rebellierte, ich fing an nach etwas zu suchen, ohne zu wissen wonach. Welche Stationen haben Dich am meisten inspiriert, wo hast Du Dich am glücklichsten gefühlt? Surfen zählte damals schon zu meinen Leidenschaften, eine Sache, der man allerdings viel Zeit widmen muss, um besser zu werden. Es schien mir genau das Richtige zu sein. So bin ich über Monate nur den Wellen nachgereist, um nicht viel anderes zu tun, als zu surfen. Die Einfachheit diesen Lebensstils inspirierte mich. Ich brauchte so wenig, um glücklich zu sein. Jede Stunde entschied ich selbst, wohin ich gehe, mit wem ich zusammen bin und wann es an der Zeit war, weiter zu ziehen – frei wie ein Vogel. Obwohl ich alleine war, fühlte ich mich nie einsam. Du hast ja während dieser Reise beschlossen, dem Büroalltag erst einmal weiterhin fern zu bleiben und hast Dich zum Outdoorguide in Alaska ausbilden lassen. Wie kam es dazu? Nach ca. 8...

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