Nazaré –  großes Herzklopfen, Riesenwellen
Jun10

Nazaré – großes Herzklopfen, Riesenwellen

Wenn du Nazaré besuchen willst, dann steht dir in jedem Fall der Mund offen, denn Nazaré bietet viele Wunder: Unglaublich gutes Essen oder die unglaublichen Riesenwellen, die so genannten Big Waves. Aber, Big Waves in Europa? Wer Nazaré noch nie gehört hat, denkt sicherlich zunächst einmal an die Heilige Stadt in Jerusalem. Aber nein, Nazaré verdankt seinen Namen zwar seiner Schwesterstadt, liegt aber an der portugiesischen Atlantikküste und ist wahrscheinlich auch nur halb so heilig. Vor allem in der internationalen Surfer-Szene ist Nazaré bekannt und zwischen November und April möchten viele Portugal-Reisende ein ganz spezielles Spektakel nicht missen: die Big Waves in Sítio, dem Felsmassiv vor Nazaré, zu dessen berühmten Aussichtspunkt auch ich gelangen will, am besten mit dem dafür vorgesehen Acensor, dem Aufzug, der direkt nach oben fährt. Auf dem Weg vom Aufzug in Richtung Wellenspektakel komme ich auch gleich am Heiligen Platz der Maria von Nazareth vorbei, zu dessen Ehre eine Kirche und der Palast der ehemaligen Könige Portugals errichtet worden ist. Ich kann aber unmöglich Sightseeing betreiben, wenn ich weiß, dass nur noch 300 Meter weiter die höchsten Wellen Europas und mitunter sogar der ganzen Welt auf mich warten! Ich laufe also weiter in Richtung Felsmassiv und schieße nur noch schnell zwei Fotos von diesem fabelhaften Ausblick der blauen Unendlichkeit und Nazaré, mit seinem (an schöneren Tagen wie diesen besser besuchten) Strand. Eine Gruppe Seemöwen und zwei, drei nicht unterzukriegende Fischer sind an diesem Tage die einzigen Strandbesucher, die ich erblicke. Ich nähere mich der Küste und von weitem höre ich das Rauschen des Wassers. Etwas bergab geht es direkt auf den Leuchtturm zu, dessen Platzierung für die Begutachtung der Wellen nicht hätte besser ausgewählt sein können. Und dann bietet sich mir ein ungeheures Naturschauspiel: Riesige Wellen von bis zu 30 Metern Höhe türmen sich  genau vor dem Fels auf und scheinen aus der unendlichen Weite zu entspringen. Natürlich bin ich nicht die einzige, die sich an den Rand der Brüstung stellt, um möglichst noch mehr von diesem Naturwunder erhaschen zu können. Ich bin eine von vielen Schaulustigen, denn nirgendwo auf der Welt kann man eine derart große Welle so nah betrachten wie hier. Viele internationale Surfgrößen kämpften sich hier schon durch die Wassermassen, Meisterschaften werden hier regelmäßig ausgetragen und Surflegenden wie Garret McNamara haben hier schon ihre Big Wave “erlegt”. Schon beim Zuschauen spürt man aber auch schon ihre Gefährlichkeit. Im Jahr 2013 kam die brasilianische Surferin Maya Gabeira bei einer Meisterschaft fast ums Leben, nachdem sie durch den Druck der Welle nicht schnell genug Auftauchen konnte. Bewusstlos, aber noch rechtzeitig, wurde sie aus dem Wasser gefischt. Gerade einmal ein oder zwei Tage vorher wird...

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Porto, Portwein und Nebenwirkungen
Apr07

Porto, Portwein und Nebenwirkungen

Mein letzter Besuch  in Porto war spontan, kurz und hatte es in sich. Eigentlich hatte ich nur einen Tagestrip zu Freunden geplant und kannte von der Stadt und ihren Vorzügen relativ wenig. Spontan würde ich zwar Porto als die Stadt der verziertesten Kirchen und der am lautesten krächzenden Möwen charakterisieren. Aber irgendwie auch als die Stadt mit dem stärksten Wein und dem deftigsten Essen, die man sich bei Sturm und Regen Ende Januar am Atlantik vorstellen kann. Nachdem ich bei Ankunft noch genügend Zeit für mich hatte und bereits zwei Sightseeing-Stunden lang an unzähligen Portwein-Bars und Kneipen vorbei gelaufen bin (und den auffordernden Tafeln davor mit Aufschriften wie „Hier exzellente Portweinverköstigung“ und Fünf Portweine – Vier Bezahlen“, widerstanden habe), bin ich dem weisen Rat meiner Freunde gefolgt und habe mich als waschechter Portwein-Touri für eine Führung durch Portos Lagerkeller angemeldet. Wenn man schon mal da ist, dachte ich mir. Die Weinkeller zu finden ist in Porto nicht schwer. Die Keller liegen direkt auf der anderen Flussseite vom Douro, nämlich in Gaia. Von Portos Flussufer aus lassen sich Abends die großen Leuchtbuchstaben der Portweinriesen erkennen und an der Flusspromenade reihen sich weitere Gelegenheiten zur gastronomischen Einkehr zum Vor- und Nachglühen. Damit wäre schon einmal mit der ersten allgemeinen Überzeugung aufgeräumt, der Portwein stamme direkt aus der Stadt Porto. Portos berühmteste Brücke verbindet diese zwei Stadtteile miteinander. Vom Aussichtspunkt am Largo Aviz hat man den schönsten Panoramaausblick auf Porto und kann den Touristen dabei zusehen, wie sie viel Geld für eine Fahrt in den Douro-Gondeln, genannt Rabelos, bezahlen. Holzboote, die vor langer Zeit den frisch gelesenen Wein aus dem Douro-Tal nach Gaia brachten. An den Lagerhallen angekommen, entschied ich mich für einen, der mir vom Namen her am sympathischsten war und begab mich wenig später mit ca. 6 anderen Leuten hinter einer englischsprachigen Weinkennerin durch den Keller, die in 20 Minuten und im schnellsten Englisch über die Entstehung, Geschichte und die Charakteristiken des Portweins referierte. Hörenswert auf jeden Fall. Doch das Beste dieser Führung kam eigentlich zum Schluss: die erlesene Portweinprobe. Zusammen mit Greg und Linda aus England, ließ ich die theoretische Seite des Portweins nochmal Revue passieren und probierte nebenbei einen trockenen Old Friend, drei Jahre alt, weiß – denn man beginnt immer mit einem kühlen Weißwein, wusste ich nun. Der Geschmack hielt lange nach und erinnerte an starken Met-Wein mit einer extra Portion Honig. Was für eine Auswahl an Portweinsorten es gibt! Diese unterteilen sich in zwei Hauptarten: Die Ruby- und die Tawny Sorten, die sich je nach Lagerbedingung und Zeitraum in Farbe, Geschmack und Stärke unterscheiden. Wir probierten einen Niepoort Tawny, fruchtig und goldenfarbig, der wie ein süßer...

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Fernweh, Beinpower und Satteldruck – Zwei ziemlich beste Freunde auf großer Spendentour
Mar03

Fernweh, Beinpower und Satteldruck – Zwei ziemlich beste Freunde auf großer Spendentour

Tom Cartledge und Rhys James reisten mit ihrem Fahrrad quer durch Europa bis nach Indien, und das für einen guten Zweck: Sie starteten eine Spendenaktion für zwei indische Kinderhäuser in Neu Delhi. Eine abenteuerliche Reise, die erst vor wenigen Tagen zu Ende ging. Tom und Rhys sind gerade wieder zu Hause angekommen. Es ist nicht lange her, da waren sie noch auf Indiens Straßen mit ihren Fahrrädern unterwegs, haben Gewürztees getrunken, Streetfood gegessen und ihren Erfolg genossen. Anfang März 2013 begann die Fahrradtour der Freunde auf unbestimmte Dauer und mit offenem Ausgang. Ihr Ziel stand allerdings fest: soviel Spendengelder wie möglich für indische Straßenkinder zu sammeln und diese direkt den Kinderhäusern The Railway Children und St Michael´s Hospice zukommen zu lassen. Beide verband die Leidenschaft für’s Reisen ebenso, wie Neues zu entdecken. Nicht zum ersten Mal sind die zwei Abenteurer gemeinsam für längere Zeit und unter unkonventionellen Bedingungen unterwegs. Dieses Mal, sollte es jedoch länger dauern. „Ich glaube, die Idee für dieses Abenteuer entstand aus dem Bedürfnis heraus, einen Gang runter zu schalten und ein bisschen mehr von den Ländern zu sehen, die wir bereisen würden. Dabei Fahrrad zu fahren, erschien uns als die perfekte Möglichkeit, dies in die Tat umzusetzen. Und bei solch einer Unternehmung wie dieser Fahrradtour, wäre es total verrückt gewesen, nicht gleichzeitig Geld für Charities zu sammeln. Die Spendenaktion wurde zu einem wirklich wichtigen Element unserer Reise und half uns immer wieder auch, uns selbst anzuspornen“, erzählt Rhys. Ihre gewählte Strecke führte sie durch verschiedenste Länder, die gegensätzlicher nicht sein könnten. Mit der Fähre nach Holland und dann ging es u.a. weiter in Richtung Deutschland, Tschechien, Österreich, Slowakei, Ungarn, Serbien, Bulgarien, Griechenland, Türkei, Georgien, Armenien und dem Iran, bis schließlich nach Indien. Eine anspruchsvolle Tour, speziell dafür trainiert haben die beiden vorher allerdings nicht wirklich. Rhys besaß bis sechs Wochen vor Reiseantritt noch nicht einmal ein eigenes Fahrrad. „Diese Art der Reise ist keine wirklich körperliche Herausforderung, außer jemand macht sie zu einer. Wenn du Fahrrad fahren kannst, dann kannst du überall hin radeln, lediglich die Fahrzeiten zwischen den einzelnen Ankunftsorten werden individuell ausfallen“, sagt Tom und erzählt weiter: „Wir wollten den Trip ohne zeitlichen Druck angehen und haben uns die Zeit genommen, sind eher die ausgefalleneren und ungemütlicheren Wege gefahren, um auf jene interessanten Orte und Plätze zu stoßen, die uns vor Ort empfohlen wurden. Uns war es wichtig, uns jeden Tag voranzubringen, dabei Menschen zu treffen und Orte zu entdecken, anzuhalten und die Kultur wahr- und anzunehmen – und zwar wann immer wir wollten.“ Wer aber gerade zu Anfang des Jahres von Nord nach Süd radeln will, der kommt nicht umhin, die Natur bei...

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Tierische Begegnungen am Fluss-Delta von Setúbal
Jan30

Tierische Begegnungen am Fluss-Delta von Setúbal

Jeden Morgen wenn ich aufwache höre ich es: ein grelles, raues und unbeholfenes Piepsen. Grüne Wellensittiche tanzen täglich auf den Palmen vor meinem Fenster herum und machen lauthals auf sich aufmerksam. Sie sind so grün, dass sie auf den ersten Blick gar nicht zu erkennen sind. Mitten in Lissabon gibt es Dutzende von ihnen und für einige Besucher der Stadt kann das schon etwas seltsam sein, kennt man Wellensittiche doch bei uns eher hinter Gittern. Auf ihrem Weg vom Käfig in die Freiheit hat sich die Population der Periquitos in Lissabon vor ca. 20 Jahren vermehrt und etabliert und die Vögel sind von der städtischen Geräuschkulisse mittlerweile nicht mehr wegzudenken. Portugal ist ein äußerst artenreiches Land und bietet darüber hinaus verschiedene Feucht- und Naturschutzgebiete, in denen spezielle Vogelarten – hauptsächlich Wasservögel – beobachtet werden können. Das Fluss-Delta des Sado beispielsweise, dass an ein Naturschutzgebiet grenzt, bietet ein unglaubliches Wasservogelreich. Mehr als 250 verschiedene Vogelarten verteilen sich hier auf rund 23.000 Hektar – ein riesiges Biotop für Wasser- und Landlebewesen. Viele Naturschutz- und Tierorganisationen sind deshalb auf dessen Forschung und Observation spezialisiert. Meine persönliche Begeisterung für jegliches Vogelgetier hat mich damit auch João Jara kennen lernen lassen. Als Biologe arbeitet er mit Portugals Institut für Naturobservationen und Waldschutz zusammen, beschäftigt sich unter anderem mit der Observation von Wasservögeln und führt nebenbei Touren (Birds & Nature Tours) an. Seiner Einladung, bei einem seiner Vogelzählungs-Aktionen in Setúbal als freiwillige Helferin teilzunehmen, habe ich ohne Überlegung zugestimmt. Jeden Monat zählen hier Vogelbegeisterte Volontäre verschiedenste Wasservogelarten, um Lebensbedingungen, Häufigkeit, sowie Einflüsse und Veränderungen festzustellen. Sechs verschiedene Teams verteilen und konzentrieren sich auf verschiedene Strände und Feuchtgebiete der Flussmündung und Beobachten, Zählen und Halten fest. Viele Freiwillige sind bereits jahrelang dabei und mit ihrer Tätigkeit verwachsen. Während der Einführung und Schulung durch João stelle ich fest, dass sowohl mein Kenntnisstand über Portugals Vogelwelt, als auch meine Portugiesischkenntnisse nach so langer Zeit im Lande um einiges besser sein könnten. Viele interessante Infos über Methodik, Zählungsprozess und Nachbereitung, auch auch Allgemeines über Lebensbedingungen, Jahreszeitenintervalle und Vogelspezifikationen geben Aufschluss darauf, wie wichtig diese Aktion und der Schutz dieses Gebietes für Flora und Fauna sind. Ausgerüstet mit Ferngläsern, Teleskopen, Stativen, Vogelbüchern und Schreibmaterialien, geht es nach der Schulung mit dem Boot raus ins Fluss-Delta. Ausnahmsweise, denn normalerweise werden Vogelzählungen mit dem Auto und zu Fuss durchgeführt. Dieses Mal gibt es jedoch eine Ausnahme um mal Abwechslung zu bieten, sagt mir João, und ich freue mich darüber. Jedem der insgesamt sechs Teams wird ein Landschaftsbereich und damit eine spezielle Vogelart zugewiesen. Wir halten vor irgendeinem Sado-Strand. Nun heisst es warten, beobachten und im richtigen Moment zählen. Gar nicht so einfach,...

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Kaltes Wasser, hartes Brett – Ein Surfkurs im Dezember
Dec23

Kaltes Wasser, hartes Brett – Ein Surfkurs im Dezember

Wer auf seiner Reise durch Portugal ein wenig Zeit und Geld mitbringt, für den sollte ein Surfkurs eigentlich zum Pflichtprogramm gehören. Das Land mit seiner wundervollen, langen Meeresküste bietet eigentlich für jede Wassersportart den passenden Strand, man muss jedoch den geeignetsten für sich entdecken. Was das Surfen anbelangt, so gibt es für Anfänger bis Fortgeschrittene an verschiedenen Stränden die passenden Wellenstufen. Für absolute Beginner wie mich, bietet sich da bereits der Strand von Carcavelos an. Carcavelos liegt eine halbe Stunde nördlich von Lissabon und ist bequem mit dem Zug für knapp zwei Euro zu erreichen. Das Strandstück ist ca. 2 km lang und verfügt über die typischen Lidos und Strandoasen , sowie natürlich die ganzjährig geöffneten Surfschulen. Es ist sicherlich kein besonderes Naturparadies, doch die Qualität von Sand und Wasser ist gut und somit tummeln sich hier im August viele Stadtpflanzen zur “Sommerfrische”. Auch ich habe hier schon faule Sommerwochenenden verbracht. Nachdem ich jetzt schon vier eiskalte Surfstunden hinter mich gebracht habe, frage ich mich jedoch, warum ich den Kurs damals nicht wärmerer Strömung und bei lauerem Lüftchen durchgezogen habe. Sicherlich hatte mir die Hitze die Lust genommen. Und überhaupt hielten sich im Wasser ebenso viele Surfer wie Badegäste auf, die sich manchmal regelrecht in die Quere kamen. Das Szenario habe ich dann doch lieber von meinem Badetuch aus beobachtet. Der Winter sei ohnehin die allerbeste Jahreszeit für einen Surfkurs, sagt Luís, mein Surflehrer. Weit und breit sind keine Schwimmer, Taucher oder spielenden Kinder mit ihren Bodyboards, auf die ständig Acht gegeben werden muss, zu sehen – und es herrschen die besten Strömungen des ganzen Jahres. Ok, denke ich mir, dann bin ich dabei. Zudem offeriert die Surfschule einen preislichen Winterrabatt, der mir so kurz vor Weihnachten sowieso zugute kommt. Ich buche also einen Surfkurs für zehn Mal und überlege bereits während meiner ersten Surfstunde, ob die Quantität von mir nicht allzu enthusiastisch gewählt worden ist. Schließlich handelt es sich um meinen allerersten Surfboardkontakt überhaupt. Vielleicht wäre eine Probestunde nicht schlecht gewesen, denke ich, während ich mich in den blauen Neoprenanzug hineinquetsche, der, obwohl ich mich als eher schlank bezeichnen würde, so eng am Hals anliegt, das mir fast die Luft wegbleibt. “Das gehört sich so, es soll ja kein Wasser hineingelangen“, meint ein Knirps aus dem Kurs. Ich erhalte ein Surfboard, das mindestens genauso groß ist wie ich und sehe Luís und die anderen Teilnehmer mit ihren Brettern unter´m Arm bereits zum Wasser laufen. Nach den Aufwärm- und Trockenübungen geht es ab ins kühle Nass und die Geübteren unter uns, springen ohne Skrupel voran. Ich tappe mit meinem rechten Fuß ins Wasser und spüre gefühlte 5 Grad. Plötzlich...

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