Philippinen extrem: Triathlon unter tropischem Feuerball
Jun25

Philippinen extrem: Triathlon unter tropischem Feuerball

Schon um 10 Uhr morgens brennt die philippinische Sommersonne unerbärmlich heiß auf uns herab. Es ist “race day”, und beim Defy 123 Triathlon auf Bohol müssen die Athleten nach 1 km Schwimmen im offenen Meer auf´s Rad wechseln, um 110 km runterzukurbeln. Danach warten noch 12 km Laufen, vorbei an Palmen, neugierigen Filipinos, am malerischen Doljo Beach entlang, und das alles immer unter dem heißen tropischen Feuerball. Viele von uns werden ihm von nun an mindestens fünf Stunden lang ausgesetzt sein – die Hitze wird uns auch dieses Mal an unsere Grenzen der Erschöpfung bringen. Wieder einmal sind ein paar hundert Menschen nach Panglao Island gereist, um ihrer Leidenschaft nachzugehen: um zu schwimmen, zu radeln und zu laufen. Triathlon boomt auf den Philippinen, und die Filipinos gehören zu den Menschen, die verrückt nach diesem (nicht mehr ganz so) neuen Sport sind. Kein Wunder, da die mehr als 7000 Inseln einen perfekten Spielplatz bieten, auf dem sich die Sportler ausgiebig austoben können. Der erste Ironman fand 1978 auf Hawaii statt und mittlerweile gibt es unzählige Rennen weltweit. Der Ironman 70.3 Cebu gehört zu den beliebtesten Veranstaltungen in Asien und stellt nicht nur für viele philippinische Triathleten das Hauptereignis des Jahres dar. Der Defy 123 Bohol wurde im vergangenen Jahr hier auf den Inseln zum beliebtesten Event gewählt. Einen Tag nach dem Spektakel wurde Bohol vom stärksten Erdbeben seit mehr als 20 Jahren heimgesucht, worüber ich hier ausführlicher geschrieben hatte. In diesem Jahr wird ein Teil der Einnahmen in den Wiederaufbau zerstörter Strukturen gesteckt. Diese Gegend in den Visayas zieht sonst viele Taucher an, da es hier einige der besten Tauchplätze der Philippinen gibt. Balicasag Island ist zum Beispiel ein beliebtes Reiseziel mit einzigartigen Tauchplätzen. Doch auch immer mehr Backpacker zieht es nach Bohol zu den weltberühmten Chocolate-Hills, zu den als kleinste Affen der Welt bekannten Tarsiern oder auch zum Loboc River. Und dann sind da eben auch noch die Abenteuerurlauber und Extremsportler wie unsereins. Jeder Triathlon ist wie eine kleine Reise Als ich bei der Vorbereitung auf die 123 Kilometer teilweise fünf Stunden lang auf dem Rad verbracht habe, die Kräfte nachließen und die Schmerzen größer wurden, tauchten bei mir immer wieder Fragezeichen auf. Wozu das Ganze? Weshalb diese Quälerei? Wieso nicht einfach am nahegelegenen Alona Beach abhängen und einen kühlen Cocktail schlürfen, so wie es tausende andere Touris auch machen? Und spätestens dann, wenn ich über die Ziellinie laufe und angekommen bin, weiß ich wieder, warum das alles. Jeder Triathlon ist wie eine kleine Reise, die aus mehreren Etappen besteht: Du suchst dir ein Rennen aus, trainierst wochenlang fast täglich dafür und erkundest dabei deine Umwelt. Beim Schwimmen im...

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Mit dem Bus auf Abenteuer-Tour durch die Philippinen
Mar26

Mit dem Bus auf Abenteuer-Tour durch die Philippinen

Palawan ist mittlerweile jedem ein Begriff, der sich ein wenig mit den Philippinen beschäftigt. Und Boracay sowieso. Doch wie sieht es mit dem Rest des Landes aus? Von Mindanao wird einem von verschiedensten Stellen sofort abgeraten, weil dort ja angeblich seit Jahrzehnten ein wilder Glaubenskrieg tobt. Öffentliche Transportmittel sollte man tunlichst meiden, und Busreisen sind natürlich auch ein no-go. Ach ja? Manchmal ist die Neugier dann doch größer, vor allem wenn man Anfang zwanzig ist und sich nicht allzu viel sagen lassen will. So stürzte ich mich also Hals über Kopf ins Abenteuer und fuhr mit dem Bus von Camiguin auf Mindanao bis hoch nach Baguio auf Luzon – eine Reise, die insgesamt fünf lange, aber unvergessliche Tage gedauert hat. Vorab: während der Fahrt 1.) bin ich weder ausgeraubt worden 2.) ist auch (wider Erwarten!) keine Bombe hoch gegangen 3.) sind wir auch keinen Hang hinabgestürzt 4.) ist auch kein sonstiges Unheil über uns hereingebrochen. Dass es irgendwie machbar ist, über Land von Camiguin aus in den Norden zu reisen, hatte ich schon in Erfahrung gebracht. Doch wie das praktisch ablaufen sollte? Keinen blassen Schimmer. Einfacher wäre es gewesen, mit dem Flieger oder mit der Nachtfähre nach Cebu City zu reisen und dann weiter mit dem nächsten Flugzeug hoch nach Manila. Aber warum einfach, wenn es auch kompliziert geht, und man so das Land in seiner Vielfalt “erfahren” kann? Außerdem ist das Busticket ja auch viel billiger (mal die deutlich längere Fahrtzeit außen vor gelassen). Los ging es also von Camiguin Island aus mit der Fähre nach Balingoan, das in der Provinz Misamis Oriental im Norden Mindanaos liegt. Dort herrscht übrigens NICHT seit Jahrzehnten ein schlimmer Krieg zwischen Christen und Muslimen, selbst wenn das oft so in den Medien und von offiziellen Stellen verbreitet wird. Die Auseinandersetzungen beschränken sich auf wenige vergleichbar kleine Regionen wie z.B. Maguindanao oder auch Zamboanga City. Wer den Norden und den Osten der großen Südinsel Mindanao bereisen will, der sollte das auch ohne große Angst tun. Davao City, die Hauptstadt im Süden zählt etwa zu den sichersten Städten überhaupt auf den Philippinen. Für mich ging es jedoch erst einmal weiter nach Butuan City, einer ehemals prächtigen Stadt, die unter anderem durch den frühen Handel mit China zu Reichtum gekommen war. Bei meiner Ankunft gegen Mitternacht empfing mich am Busterminal eine Horde Filipinos, die wohl zum großen Teil aus Bettlern bestand. Sie zerrten an meinen Klamotten oder wollten mir irgendetwas aus ihrem Bauchladen verkaufen. Mein kurzer Ausflug zur öffentlichen Toilette kam mir ewig vor, und ich hatte selten in meinem Leben ein so mulmiges Gefühl. Als ich dann zum Bus zurückkehren wollte, fand ich diesen...

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Urlaub und Wiederaufbau – Malapascua Island nach dem Supertaifun
Jan09

Urlaub und Wiederaufbau – Malapascua Island nach dem Supertaifun

Schon wenige Kilometer nördlich von Cebu City, konnten wir die Spuren von Supertaifun Haiyan verfolgen, der Anfang November 2013 quer durch die Philippinen und die weltweite Medienlandschaft gefegt war. Bea und ich hatten uns nämlich auf den Weg in Richtung Malapascua Island gemacht, um beim “Voluntourism-Projekt” von rebuild Malapascua ein wenig mitzuwirken. Je näher wir Daanbantayan im Norden Cebus kamen, desto zerstörter wirkte die Gegend auf uns: entwurzelte Bäume, abgedeckte Dächer und große Supermärkte standen halb in Schutt. Die Palmen sahen etwas skurril aus, so als ob sie permanent von einem gigantischen Fön angeweht würden oder ein riesiger Kamm über sie gefegt wäre. Aber überall waren Menschen fleißig mit dem Wiederaufbau beschäftigt. Malapascua Island ist eigentlich vor allem bekannt dafür, dass es hier – wenn es um die sogenannten Tresher-Sharks geht – einen der besten Tauchplätze weltweit gibt. Fast auf jedem Tauchgang können Abenteurer diese friedlichen Räuber auf ihren Streifzügen durch die Unterwasserwelt bewundern. Nun gehörte das Eiland jedoch zu den Orten, die am stärksten vom Taifun verwüstet wurden – ähnlich wie das nahe gelegene Bantayan Island. Der Fokus der Medienberichterstattung lag zwar vor allem auf Tacloban und weiteren Orten auf Leyte, aber auch in anderen Regionen wurde die Infrastruktur weitgehend zerstört, worüber jedoch kaum berichtet wurde. Wir setzten von einem kleinen Hafen in einem größeren Fischerboot nach Malapascua über und hatten Glück, dass bei Einbruch der Dämmerung überhaupt noch etwas nach Malapascua schipperte. In Maya, das teilweise einer Geisterstadt ähnelte, hätten wir nur ungern übernachtet. Bei dunkler Nacht kamen wir an und waren nicht schlecht überrascht, als wir dann am nächsten Morgen sahen, wie verwüstet die Insel wirklich war. Ganze zwei Häuser standen noch, und immerhin leben offiziell 8000 Menschen auf der kleinen Insel Malapascua, inoffiziell sind es ein paar tausend mehr. Da von offizieller Seite her kaum Hilfe nach dem Taifun eingetroffen war, schlossen sich vor allem die Resort- und Tauschschulenbetreiber zusammen und mobilisierten alle Kräfte, um Hilfe zu leisten. Diese Hilfe reichte von Notfallbehandlungen der durch den Taifun verletzten Menschen, über die Organisation von Lebensmitteln, bis zur Beschaffung wichtiger Materialien zum Wiederaufbau der Häuser. Für ein paar Dutzend Kinder wurde zusätzlich ein Ernährungsprogramm ins Leben gerufen, da bei gesundheitlichen Untersuchungen nach dem Taifun festgestellt wurde, dass viele Minderjährige unterernährt sind. Daher werden die Spendengelder von rebuild Malapascua (www.rebuildmalapascua.com) auch dafür eingesetzt, um wenigstens eine warme Mahlzeit zu garantieren, die dann jeweils noch durch Vitaminpräparate ergänzt wird. Auch Freiwillige wurden und werden immer noch rekrutiert, um die wichtigsten Infrastrukturen wiederherzustellen und beim Ernährungsprogramm mitzuhelfen. Wir sind dann auch auf Urlauber gestoßen, die selbst den Taifun vor Ort miterlebt haben, kurz danach die Insel verlassen hatten, nur um dann ein...

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Das Erdbeben auf Bohol – Abenteuer der anderen Art
Dec04

Das Erdbeben auf Bohol – Abenteuer der anderen Art

Die Wände fingen an zu rütteln. Ich saß in meinem Appartment in Panglao, vielleicht zehn Minuten vom berühmten Alona Beach entfernt, und arbeitete ein wenig online. Meine Freundin Bea rief mir „It´s an earthquake, let´s get outta here!“ zu, und wir rannten in Sekundenschnelle hinaus ins Freie. Ich hörte etwas im Swimming Pool plätschern und dachte zunächst, dass sich unser Nachbar kurz eine Abkühlung gönnen wollte. Doch als ich genauer hinsah, war da niemand im Pool – das Wasser hatte angefangen, von alleine überzuschwappen. „Holy shit!“ Wir hatten ja ab und zu ein kleines Rütteln mitbekommen – schließlich ist das am „ring of fire“ nichts Ungewöhnliches. Japaner und Filipinos können da sicher gemeinsam ein Lied von singen. Doch dieses Erdbeben hatte es in sich. Es war seit Jahren eines der stärksten überhaupt auf den Philippinen, und, wie sich später herausstellen sollte, war das Epizentrum nur wenige Kilometer von uns entfernt. Es hatte vielleicht ein bis zwei Minuten gebebt und bis auf ein paar zerbrochene Gläser und dem Stromausfall, hatten wir auch kaum etwas zu beklagen. Doch für viele tausend Menschen drüben auf der Hauptinsel, war nach dem Erdbeben alles anders. In manchen Gegenden von Bohol war jedes zweite Haus zerstört und vor allem ältere Gebäude wie Kirchen, waren teilweise komplett in sich eingestürzt. Kurz nach dem Erdbeben waren wir uns über das Ausmaß der Zerstörungen noch nicht bewusst, da Panglao Island vom Beben der Stärke 7,2 deutlich weniger abbekommen hatte – wobei das immer noch enorm war. Die einzige Möglichkeit, mehr Informationen über die Ereignisse zu erhalten, war das Radio. Da wir über kein eigenes verfügten, haben wir bei unserer Nachbarin mitgehört. Die Opferzahlen stiegen schnell an und tausende Insulaner waren plötzlich obdachlos. Erst ein paar Tage später hatten wir wieder Strom und konnten die Nachrichten unserer Freunde und Verwandten, die sich um uns gesorgt hatten, lesen und beantworten. Ausgerechnet hier war ich letzten Endes gelandet, wobei ich vor meiner Ankunft im März dieses Jahres auf den Philippinen nicht im Traum daran gedacht hatte, wieder nach Bohol zu gehen. Das erste Mal besuchte ich Bohol 1997. Am Alona Beach gab es damals nur wenige Beach Resorts, und nur eines davon hatte eine Tauchschule (SeaQuest), bei der ich dann auch meinen ersten Tauchschein gemacht habe. Balicasag Island ist mit seinen Dive Sites sicher ein unvergleichlich schöner Einstieg in die bunte Unterwasserwelt, und danach ist man schon ein wenig verwöhnt, was gute Tauchplätze anbelangt. Als ich dann im Jahre 2008 wieder dort ankam, hatte sich die Gegend zu einem zweiten Boracay entwickelt, und der Alona Beach war kaum wiederzuerkennen. Es reihte sich ein Resort an das andere, und für meinen Geschmack war...

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Mit dem Fahrrad durch die Philippinen
Oct22

Mit dem Fahrrad durch die Philippinen

Auf die Idee, das Land der 7107 Inseln mit dem Fahrrad zu bereisen, muss man erst einmal kommen. Hätte man mich noch vor ein paar Jahren gefragt, dann wäre ich von dieser Reisemöglichkeit alles andere als angetan gewesen. Jetzt kann ich jedem nur empfehlen, auf echte Abenteuerfahrt zu gehen, und die Philippinen mit dem Radl zu entdecken. Dafür gibt es mehrere Gründe: Die Inseln lassen sich auf dem Fahrrad besser erkunden als zu Fuß (zu langsam) oder auf dem Motorrad (zu schnell). Im Jeepney oder Bus hat man entweder kaum Aussicht oder es zieht alles an einem vorbei, ohne dass Halt gemacht werden kann. Man spart Einiges an Reisekosten Das Angenehme wird mit dem Nützlichen verbunden, sprich: man hält sich fit. Mit der Bevölkerung in Kontakt zu kommen ist einfach. Überall wird man von den Filipinos neugierig angesprochen, die es meist gar nicht glauben können, dass man sich anstatt eines Motorbikes ein Fahrrad zum rumreisen gekauft hat. Unsere erste Tour, welche nur ein paar Tage dauerte, führte uns nach Bantayan Island im Nordwesten der Inselprovinz Cebu. Für viele Auswanderer und Backpacker ist dies ein echter Geheimtipp, und auch wir waren von dem Inselflair absolut begeistert. Überall fröhliche Menschen, die uns auf unseren Fahrrädern zujubelten und uns mit „Hey Joe!“ oder „Hello Friend!“ begrüßten. Bantayan Island lässt sich auf dem Drahtesel locker in zwei Tagen erkunden. Für ganz Fitte ist die Inselumrundung auch an einem Tag machbar, wobei dann nicht mehr viel Zeit für Sightseeing und Herumvagabundieren in Santa Fé und den anderen Ortschaften bleibt. Dabei lohnt es sich, etwas mehr Zeit auf Bantayan zu verbringen: Die Gelassenheit der Insulaner ist ansteckend, und wer sich auf das ruhige Inselleben einlässt, der wird schon bald völlig sorgenfrei sein. Unsere zweite Tour, die dann schon vier volle Wochen in Anspruch nahm, startete in Bohol. Bekannt ist Bohol unter anderem für die Chocolate Hills, von wo aus ein Boot nach Bato in Leyte übersetzen sollte. Wir haben uns dann jedoch gegen eine Fähre und für ein größeres Fischerboot entschieden, unter anderem  aus dem Grund, dass es 1.) schneller ging und 2.) die Gebühren für die „Philippine Ports Authority“ (PPA) und dergleichen wegfallen. Das sollte ein Fahrradurlauber – sofern möglich – immer so machen: lieber mit der Bangka (philippinisches Boot) fahren, als mit einem größeren Schiff. Bei den Fähren ist das Fahrradticket oftmals teurer als das Personenticket und es kommt noch allerhand bürokratischer Krimskrams dazu. Los ging es also von Bato aus nach Maasin City, wo ein Triathlon stattfinden sollte. Da ich ja derzeit so viele Triathlons wie möglich mitmache – ich bin in Sachen Radfahren also ein wenig vorbelastet – war das ein toller Anlass,...

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