Per Anhalter durch die Wüsten des Iran
Oct24

Per Anhalter durch die Wüsten des Iran

Ende letzten Jahres war ich für 6 Wochen alleine im Iran unterwegs. Dies war mehr Unfall als Planung. Zuvor hatte ich die Türkei, Georgien und Armenien mit zwei weiteren Personen bereist und fand mich dann, per Zufall, alleine an der iranischen Grenze wieder. Als hartnäckige Tramperin stand ich also vor einer Entscheidung: a) in einem Land zu Trampen, wo ich nur simple und grundlegende Sprachkenntnisse besass, oder b) die öffentlichen Verkehrsmittel zu benutzen. Ich habe mich für Letzteres entschieden. Glücklicherweise sind die Preise für Zug und Bus im Iran, sogar für meine leeren Taschen, erschwinglich. Trotzdem liess mich das Verlangen nicht los, die riesige, gebirgige und sandige Islamische Republik auch noch per Anhalter zu entdecken. Erst einige Wochen nach Beginn meines Aufenthalts, hatte ich endlich die Möglichkeit dazu. Die kontinuierliche Bombardierung durch die iranische Gastfreundschaft hatte in mir ein grosses Bedürfnis nach Unabhängigkeit und Privatsphäre geweckt. Ich beschloss, in einem Hostel in Yazd zu übernachten, um mir eine Pause als ständiger Gast zu gönnen und – ohne jetzt die freundlichen, grosszügigen und aufmerksamen Gastgeber in irgendeiner Weise zu verletzen – dem damit einhergehenden sozialen Druck zu entfliehen. Der Aufenthalt in der Jugendherberge gab mir die Chance, andere Individualreisende zu treffen – eine Seltenheit in den vorangegangenen Wochen. Es ist ein besonderer Typ Mensch, der als westlicher Reisenden beschliesst, seine Komfort-Zone zu verlassen und allein ein islamisches Land zu bereisen. Ich habe mich daher mit fast allen Alleinreisenden, die sich im Hostel einquartiert hatten, angefreundet. Mark war einer dieser neuen Freunde. Nachdem er sein Zuhause in der Schweiz verlassen hatte, war er mittels der öffentlichen Verkehrsmittel nun auf dem Weg nach China. Wir beschlossen zusammen nach Chak Chak zu trampen, einem zoroastrischen Feuertempel in der Wüste, 76 Kilometer von Yazd entfernt. Zoroastrismus war vor dem Aufstieg des Isalm die dominierende Religion der Region und gilt als weltweit erste monotheistische Religion. Chak Chak, benannt nach dem tropfenden Wasser, welches ständig auf dem Höhlenboden aufschlägt, wird heute als eine der wichtigsten zoroastrische Stätten überhaupt betrachtet. Weder Mark, noch ich, hatten jemals zuvor im Iran getrampt. Ich hatte jedoch so meine Nachforschungen angestellt und kam zum Schluss, dass es beim Reisen per Anhalter im Iran zwei Probleme gab: Im Iran ist eigentlich jeder Autobesitzer auch ein Taxi. Es ist üblich und völlig normal, dass ein nicht gekennzeichnetes Fahrzeug, gefahren von jemandem der kein Taxifahrer ist, am Strassenrand anhält und Leute mitnimmt. Meistens wird erwartet, dass für diesen Service bezahlt wird. Gewisse Autos nehmen, wenn man denn fragt, einem jedoch auch gratis mit. Aber wie arrangiert man dies, ohne jemanden unwissentlich zu beleidigen und ohne fliessend Farsi zu sprechen? Ein weiteres Problem ist eine...

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