Die Jagd nach dem flüchtigen Glück auf Reisen
Feb27

Die Jagd nach dem flüchtigen Glück auf Reisen

Mein Name ist Lauren und ich bin süchtig nach kurzfristigem Glück. Puh. Ich bin froh, dass ich das endlich loswerden konnte. Spass beiseite, aber es ist trotzdem ein Problem, mit dem ich mich in letzter Zeit viel beschäftigt habe. Es ist keine globale Angelegenheit, aber trotzdem etwas, was eng mit Reisen – und ganz speziell dem Abenteuerreisen – zusammenhängt. Ich meine, warum stürzen wir uns nur an einem Seil befestigt von Brücken und raften einen krokodilverseuchten Fluss runter? Wieso wollen wir ständig neue Gerichte ausprobieren, eine weitere Landesgrenze überqueren oder Pfade bewandern, von denen wir nicht mal wissen, wohin sie führen? Potentiell gibt es verschiedene Antworten auf diese Fragen. Reisen, Kultur und neue Erfahrungen erweitern unseren Horizont, sie lehren uns Demut, Geduld und Selbständigkeit.  Diese impulsiven Handlungen versorgen uns mit Geschichten, die wir später im Leben mit anderen teilen können. Und nicht zuletzt verwandelt uns Abenteuer in bessere, interessantere Versionen von uns selbst. Dank den Abenteuern fühlen wir uns lebendig. Steckt da aber noch mehr dahinter? Man könnte meinen, dass Atmen, Sprechen, Fühlen und Herumlaufen klare Indikatoren dafür sind, dass man doch eben am Leben ist. Wenn ich am Morgen aufwache, vergesse ich sicherlich nicht, dass ich am Leben bin, ich muss dafür nicht erst einen neuen Stadtteil erkunden oder Klettern gehen. Könnte es sein, dass uns Reisenden die traditionellen Indikatoren nicht mehr genügen? Hüpfen wir zwischen Ländern und Adrenalin-gefüllten Aktivitäten hin und her, weil wir genau diese Stromstösse des Lebens suchen und uns nicht mit einem stetigen Puls zufriedengeben wollen? Sind wir süchtig nach diesem flüchtigen Glück? Ihr fragt euch vielleicht, warum ich diese Fragen überhaupt stelle. Eigentlich weiss ich das selber nicht so genau. Ich vermute, die Wurzel meiner Zweifel liegt bei der Tatsache, dass alles Kurzfristige typischerweise als schlecht angesehen wird. Denkt mal darüber nach: Wer immer nur flüchtige Beziehungen eingeht, wird als unzuverlässig angesehen oder hat Angst vor Verpflichtungen. Hat man Gelegenheits- oder  Saisonjobs, werden die Karrierechance in der Regel beeinträchtigt. Es ist das Verlangen der meisten Menschen, ein langes Leben zu führen, dauerhafte Freundschaften zu pflegen, eine solide Arbeit zu haben und entscheidende Fähigkeiten mit wiederholtem Training zu perfektionieren. Plus, niemand hat je gesagt: „Das ist ein ziemlich gutes Snickers, ich wünschte nur, es wäre kürzer.“ Trotz all dem – und ich denke da bin ich nicht allein – fühle ich mich gezwungen, den temporären Befriedigungen nachzujagen, anstatt mal etwas für einen späteren Nutzen zu opfern. Zum Beispiel kämpfe ich momentan damit, in Hanoi zu bleiben. Mein Plan war, für sechs Monate zu bleiben, Englisch zu unterrichten, neue Freundschaften zu knüpfen und eine Routine zu finden, die irgendwie einem normalen Tagesablauf ähneln würde. Dieser...

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Baby Zerstörer, Meister Shifu und das Weglaufen nach Norwegen
Sep18

Baby Zerstörer, Meister Shifu und das Weglaufen nach Norwegen

Ich hatte diese komische Angewohnheit als Kind. Wann auch immer meine Eltern mich genervt oder für etwas bestraft haben, wurde ich etwas hochnässig und habe sehr dreist verkündet: „Ich werde nach Norwegen weglaufen!“ Ich weiss nicht wieso. Ich wusste nicht wo Norwegen auf der Karte zu finden war, wie es dort überhaupt so ist und aussieht, oder wie ich denn dort hinkommen sollte – es war nur ein Wort, welches ich irgendwo aufgeschnappt hatte. Als ich älter wurde, habe ich mich mit Norwegen im Detail beschäftigt. Ich habe schnell gelernt, dass Norwegen von Australien wirklich unglaublich weit entfernt ist. Ich habe auch gelernt, dass es einer der besten Orte ist, um die Nordlichter zu beobachten. Auch etwas, wovon ich noch nie etwas gehört hatte, aber bald bemerkte ich, dass ich da irgendwann im Leben wirklich mal hinmusste. Letze Woche habe ich es endlich geschafft, nach Norwegen wegzulaufen. Es war ein völlig unerwarteter Umweg in meinem Reiseplan. Ich war gerade über die hohen Lebenskosten in England am verzweifeln und versuchte zu entscheiden, ob ich wieder ins viel billigere Südostasien reisen sollte, als meine bessere Hälfte Alex auf einen Promotions-Flug des neuen 787 Dreamliners nach Bangkok stiess. Dieser unglaublich preiswerte Flug (£150 pro Person, inklusive Taxen) flog am 2. September ab Oslo. Mit einem kurzen Blick auf British Airways und einem weiteren Flug von London nach Oslo für £80, war Norwegen plötzlich eine Option. Ja, ich weiss – mein letzter verzweifelter Versuch Geld zu sparen, resultierte irgendwie in einem Besuch des wohl teuersten Landes der Welt. Ach, die Ironie. Nichtsdestotrotz hatte ich es endlich geschafft, ein Meilenstein meiner Kindheit unter meinen Füssen zu spüren. Ich stand auf skandinavischem Boden – etwa so weit von Australien weg wie nur möglich – und so weit nördlich wie noch nie. Was das „Weglaufen von Zuhause“ betrifft, fühle ich mich bestätigt. Ich hatte etwas erreicht. Aber darin liegt auch genau das Problem. Es gibt ein gewisses Stigma, welches das Erreichen eines bestimmten Reiseziels umgibt: Das Individuum wird mit einem machtvollen Befreiungsgefühl überwältigt. Als ich aus dem Flugzeug trat, hatte ich  halb erwartet vom Kung-Fu Meister Shifu mit den dramatischen Worten „Lauren, du bist der Drachenkrieger!“ begrüsst zu werden, während dieser mit einem Knödel in Richtung meines Gesichtes gewedelt hätte. Ich wäre heroisch, glückselig und frei und einen glorreichen Schritt näher daran gewesen, ein erfülltes, reisendes Wesen zu werden. Stattdessen trat ich in eine beinahe leere Ankunftshalle und dachte mir: „Das ist ein ziemlich cooler Flughafen. Hey, da ist ein Plakat von The Scream. Ich sollte mir diese Ausstellung ansehen, während ich hier bin.“ Die Wahrheit – meine Wahrheit zumindest – ist, dass es diese Freiheit nur...

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