Mittagessen mit Gorillas
Jun17

Mittagessen mit Gorillas

Dave von Infinite Adventures ist einer der Menschen, die seit fast einem Jahrzehnt auf Reisen sind. Was bewegt Menschen dazu, ein Nomadenleben zu führen und welche Geschichten haben sie zu erzählen? Ich bin neugierig und befrage Dave, den ich in Simbabwe kennengelernt und mit dem ich mittlerweile ein Tour-Unternehmen gegründet habe: Warum ist Reisen wichtig für dich und wer hat die Leidenschaft dafür in dir entfacht? Ich habe vier Geschwister und als Kind sind wir mit meinen Eltern so oft wie möglich zum Campen gefahren. Ich habe so viel Zeit in den amerikanischen Nationalparks und an der Westküste verbracht und habe tolle Kindheitserinnerungen. Als ich älter war, wollte ich einfach mehr von der Welt sehen und die Freiheit wieder spüren, die ich als Kind hatte. Wie hast du deinen Traum verwirklicht und Reisen zu einem großen Teil deines Lebens gemacht? Das war in der Tat eine Aneinanderreihung von Umständen und die Unfähigkeit, mich zu entscheiden, was ich eigentlich im Leben wollte. Ich hatte angefangen zu studieren, mehrere Jobs ausprobiert und sogar zusammen mit ein paar Freunden ein Restaurant aufgemacht. Aber als meine Mutter an meinem 25. Geburtstag starb, habe ich endgültig den Entschluss gefasst, die Welt zu sehen. Und zwar eher als die meisten Durchschnitts-Amerikaner, die das erst im Rentenalter machen. Allerdings hatte ich nicht die finanziellen Mittel, um mir den Traum vom Langzeitreisen zu verwirklichen. Da erzählte mein Cousin mir von einem Reiseunternehmen, das auf der Suche nach Reiseleitern war: Reisen, andere Menschen von fremden Kulturen begeistern und dafür bezahlt werden! Seit 2005 bin ich nun mehr oder weniger unterwegs. Erst in Nordamerika, dann Afrika und Südamerika und ein “normaler Job” reizt mich einfach immer noch nicht. Was ist die größte Herausforderung beim Langzeitreisen? Ehrlich gesagt, ist die größte Herausforderung, nach einer ausgedehnten Reisezeit zurückzukommen und länger als ein paar Wochen an einem Ort zu leben. Wenn du unterwegs bist, dann sieht, lernt und erfährt man neue Dinge – jeden Tag. Wenn ich an einem Ort lebe, bringt mich die Monotonie fast um. Versteh mich nicht falsch, es gibt sicher Annehmlichkeiten und Dinge, die ich vermisse. Aber derzeit überwiegen für mich die Vorteile des Reisens deutlich: Es wird nie langweilig und die Gefahr, dass ich zu viel Zeit auf dem Sofa verbringe, besteht erst gar nicht. Was ist dein tollstes Reiseerlebnisse? Oh je, da gibt es zu viele Geschichten und Erlebnisse aus den letzten Jahren. Aber ich erzähle gerne meine Lieblingsgeschichte zum Thema Tierbeobachtung: meine Begegnung mit den Berggorillas in Ruanda. Wir starteten früh am Morgen und konnten die Spannung regelrecht in der Luft spüren. Dies war das Erlebnis, auf das wir alle seit Wochen warteten. Ich konnte...

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Alaska – Begegnung mit einem Bären
May03

Alaska – Begegnung mit einem Bären

Alaska? Ist das nicht ein Land hoch oben im Norden in der Nähe Russlands? Als ich zum ersten Mal daran dachte, meinen Sommer in Alaska zu verbringen, dachte ich zugegebenermaßen zunächst nur an Eis, Schnee und Kälte. Gleichzeitig aber dachte ich an Bären. Und das war definitiv etwas, das ich schon seit Kindheitstagen wollte: Bären in Ihrer natürlichen Umgebung beobachten! Also recherchierte ich ein bisschen und fand heraus, dass Anchorage, die größte Stadt in Alaska, nicht viel weiter nördlich liegt als Oslo in Norwegen. So kalt und eisig konnte es also im Sommer also gar nicht sein! Meine Neugierde auf Bären und Elche war größer als die Angst vor kalten Witterungsverhältnissen. Keine bösen Überraschungen auf dem Weg zum Klo Und so bin ich meinem ersten Bären begegnet: Je weiter wir nach Norden fahren, desto länger scheint die Sonne. Anfangs ist das so ungewohnt, dass ich um elf Uhr nachts hellwach in meinem Camping-Stuhl sitze und es sich anfühlt, als wäre es gerade mal vier Uhr nachmittags. Keine Ahnung, ob das nun gut oder schlecht ist. Es hat auf jeden Fall einen großen Vorteil: Wenn ich sonst in freier Wildbahn zelte, finde ich es nachts immer etwas unheimlich – insbesondere wenn man weiß, dass hinter dem nächsten Busch ein Bär sein könnte. Wenn ich hier nachts mal raus muss, dann kann ich wenigstens sehen. So sehr ich einen Bär sehen möchte, will ich das dann doch lieber nicht, während ich aufs Klo gehe!     Jackson, der Bär Nachdem wir die letzten Tage recht spät ins Bett gegangen sind, kommen wir auch heute nicht so früh raus, wie wir eigentlich wollten. Wie die Tage zuvor haben wir wieder lange ums Lagerfeuer gesessen, gequatscht und gelacht. Es gibt ja auch kaum etwas Besseres als ein Lagerfeuer mit selbst gehacktem Feuerholz und dazu ein paar geröstete Marshmallows! Das Frühstück fällt kürzer aus als geplant, denn wir wollen heute endlich in den Denali National Park und bekanntlich fängt der frühe Vogel den Wurm! Naja, wir wollen zwar keine Vögel fangen, sondern Bären beobachten, aber je mehr Zeit wir dort haben, desto größer ist sicher unsere Chance, die Giganten in freier Wildbahn zu beobachten. Und dann passiert das Unglaubliche: Nur einige Kilometer von unserem Camping-Platz entfernt, erkenne ich zwei schwarze Ohren im Gebüsch am Rand der Straße. Kann das sein? Wir haben doch nicht mal den Nationalpark erreicht. Es ist wirklich ein Schwarzbär, der ganz genüsslich am Löwenzahn kaut und sich nicht daran stört, dass wir anhalten. Ich bin so aufgeregt, dass ich fast in Tränen ausbreche. Mein erster Bär und dann auch noch so nahe! Auch wenn er so süß und harmlos aussieht,...

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Hinab in die Gletscherspalte: Eisklettern in Alaska
Apr12

Hinab in die Gletscherspalte: Eisklettern in Alaska

Wir sind in Alaska. Genauer genommen im Wrangell/St Elias National Park, dem größten Nationalpark Nordamerikas. Schon die Anreise ist abenteuerlich, denn eine geteerte Straße gibt es hierhin nicht und auf dem kurvigen Schotterweg fühlt man sich schon mal schnell ins vorige Jahrhundert hinein versetzt. Insbesondere, wenn man immer wieder die Reste der alten Eisenbahnstrecke links und rechts der Fahrbahn entdeckt, die einst Kupfer aus den Minen von Kennicott  zur Küste transportierte. Wir schlagen unsere Zelte am Ende der Straße auf – ja, genau: sie hört einfach auf! Den Gletscherfluss kann man nur auf einer kleinen Fußgängerbrücke überqueren und wir genießen unseren Abend mit Blick auf die Ausläufer des Kennicott und Root Gletschers. Ein bisschen zweifelnd blicke ich auf das massive Eisfeld – ich habe mir doch tatsächlich in den Kopf gesetzt, mich morgen im Eisklettern zu versuchen. Wie war das nochmals mit den gefährlichen Gletscherspalten? Und was, wenn das Eis schmilzt und die Sicherungsseile nicht mehr halten? Was soll’s, zu Hause über die Straße gehen kann schliesslich auch gefährlich sein – ich will ein bisschen Abenteuer! Am nächsten Morgen machen wir uns mit einem Gletscherführer auf den Weg. Wir bekommen Eisschuhe, Steigeisen und Helme in die Hand gedrückt und dann geht’s auch schon los. Die ersten Schritte auf dem harschen Eis sind gewöhnungsbedürftig und ich muss immer schön die Steigeisen ins Eis schlagen, damit ich nicht ausrutsche. Wir sind an der ersten Eiswand angekommen und während unser Guide die Nägel ins Eis schlägt, wärmen wir uns bei heißer Schokolade und Tee auf.  Dann ist es so weit: Freiwillige vor! Ich überlege mir, dass es besser ist, als erste drauf los zu steigen, denn in ein paar Minuten hab ich vielleicht den Mut nicht mehr. Also los. Die ersten paar Meter sind einfach, da die Wand noch nicht so steil ist, ab dann muss ich aber meinen Schuhen und den Hacken vertrauen – bleiben die tatsächlich im Eis stecken und halten mich? Aber mit jedem Meter gewinne ich Vertrauen und arbeite mich an der Wand hoch.  Was für ein Erlebnis und was für eine Aussicht als ich oben angekommen bin: Ich überblicke fast den gesamten Root Gletscher! Nachdem das Adrenalin erst mal am fließen ist, will ich natürlich mehr! Und das bekommen wir auch: Der zweite Versuch soll ein Abstieg sein, runter in eine Gletscherspalte! Ich kann den unterirdischen Fluss gurgeln hören und mir wird dann doch etwas schlecht bei dem Gedanken, in den unendlichen Tiefen einer Gletscherspalte zu verschwinden.  Aber trotzdem kann ich nicht widerstehen.  Irgendwie ziehen mich solche Dinge magisch an – das ist dieses „wann, wenn nicht jetzt?“, diese unglaubliche Neugierde und auch ein bisschen die Sucht...

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Grenzüberschreitung: Chaos im Niemandsland zwischen Uganda und Kenia
Feb09

Grenzüberschreitung: Chaos im Niemandsland zwischen Uganda und Kenia

Ich nehme an, viele von euch sind zum Beispiel schon mal mit dem Auto von Deutschland nach Frankreich gefahren. Ist euch aufgefallen, dass man praktisch gar nicht mehr merkt, wenn man Grenzen in Europa überquert? In Afrika ist das eine andere Geschichte… Um dem Verkehrschaos in der Hauptstadt Ugandas zu entkommen, verlassen wir Kampala bereits um 6 Uhr früh.  Zur Grenze sind es rund 200 km, die Straßen sind jedoch voll mit Transitverkehr und es vergehen fünf Stunden, bis wir schließlich in Malaba, der Grenzstadt zwischen Uganda und Kenia, ankommen. Nun gilt es 12 Passagiere, 2 Fahrer, unseren Koch und den Overlandtruck so schnell wie möglich über die Grenze zu bekommen. Die Ausreise aus Uganda ist relativ einfach.  15 Leute stellen sich am „Immigration Office“ an, um den Ausreisestempel zu erhalten und ich renne mit meinem Carnet de Passage (das ist eine Art Pass für unser Overlandfahrzeug) zum Zoll, um dort den richtigen Stempel zu erhalten. Zwischen all dem wimmle ich gefühlte 50 Leute ab, die mir Samosas – das sind Teigtaschen gefüllt mit Gemüse und wahlweise Rind oder Huhn – und halbkalte Getränke verkaufen möchten, oder mir Geld wechseln wollen. Ich habe zwar vor 600 USD in Kenianische Schillings zu wechseln, aber alles der Reihe nach! Ich verhandle mit ein paar Leuten den Wechselkurs. Da die Konkurrenz hoch ist, bekomme ich schließlich einen guten Kurs und zähle brav die Banknoten – 600 USD sind ca. 50.000 Kenianische Schillings. Die Banknoten stapeln sich nur so und ich muss in all der Hektik aufpassen, mich nicht zu verzählen. Nachdem alles erledigt ist, geht es auf zur kenianischen Seite der Grenze: Wir müssen uns zwischen geparkten Lastwagen, Eseln, Motorrädern, Radfahrern und unzähligen Menschen hindurch schlängeln. Alles klappt zu reibungslos und ich habe bald mein Visum in der Hand. Während meine Passagiere auf ihr Visum warten, schnappe ich mir wieder das Carnet de Passage und frage mich zum Zoll durch. Ein sogenannter Helfer hat schon das passende Formular in der Hand und beginnt dieses in doppelter Ausführung für mich auszufüllen. Ich hoffe, dass es so etwas schneller geht, da er die Leute vom Zoll kennt. Der Beamte tippt auch tatsächlich alle Daten zügig in seinen Computer ein, überreicht mir zwei Papiere, mit denen ich zum nächsten Schalter soll. Dort wird mir ein weiteres Papier ausgedruckt, mit dem ich dann zur Bank muss, um Maut zu bezahlen. Halt – warum halte ich plötzlich zwei Rechnungen in der Hand? Der Helfer hat zwei Formulare für mich ausgefüllt und der Beamte hat brav für dasselbe Fahrzeug zweimal die gleichen Daten eingegeben. Niemand will dafür verantwortlich sein. Ich bin leicht genervt, bitte den Helfer, dies rückgängig...

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Strassensperren und Polizeikontrollen – Alltagschaos in Peru und Ecuador
Dec11

Strassensperren und Polizeikontrollen – Alltagschaos in Peru und Ecuador

Unser Flieger landet etwas verspätet in Lima. Es ist kurz nach Mitternacht. Die Einreise ist schnell und unkompliziert, wir finden unser Gepäck und… nein, ich habe kein Glück, Geld aus dem Bankautomaten zu bekommen und auch unser gebuchter Transfer zum Hostel ist nirgends zu entdecken. Ich frage ein paar Taxifahrer in gebrochenem Spanisch, ob sie das Hostel kennen und ernte besorgte Blicke: „Diese Gegend ist schrecklich unsicher! Aber wir können euch schon hinfahren, wenn ihr unbedingt wollt.” Ich atme ein paarmal tief durch. Wie war das nochmals? Als ich vor ein paar Wochen Freunden und Familie erzählt habe, dass Dave und ich für vier Wochen nach Peru und Ecuador fliegen, um eine Overland-Tour zu leiten, hieß es: „Wow, das ist ja bezahlter Urlaub für euch!!“  Ehrlichgesagt fühlt sich das gerade nicht so an. Insbesondere, da ich weiß, dass wir am nächsten Tag bereits früh raus müssen:  Es gilt den Parkplatz mit unserem Overland Truck zu finden und dann fast 2000 km nach Quito in Ecuador zu fahren. Wir haben dafür drei Tage Zeit, dann beginnt auch schon die Tour von Quito nach Lima und unsere Touristen, die wir in Quito treffen, wollen sicher nicht auf ihre Tour Leiter warten! Noch einmal durchschnaufen und dann auf in den Kampf. Ich habe gerade beschlossen, mich trotzdem auf den Weg zu machen, da ich schliesslich schon oft von Taxifahrern gehört habe, dass bestimmte Gegenden unsicher seien, als plötzlich doch noch noch unser Transfer auftaucht. Wir fallen todmüde ins Bett, nur um ein paar Stunden später aus dem Schlaf gerissen zu werden. Ohne Dusche und Frühstück geht es mit dem Taxi zum Parkplatz. Ich habe natürlich keine genaue Adresse. Die Beschreibung lautet „ein blaues Tor in der Avenida Amazonas in der Nähe eines Geschäfts namens Decor.” Wir werden fündig und unser orange-farbener Truck steht auch da. Wir wühlen uns durch die Papiere im Führerhaus und stellen fest: Das Carnet, eine Art Pass für den Truck, ist abgelaufen! Fluchen hilft nicht viel. Vom Handy eines freundlichen Parkplatzaufsehers, sende ich eine E-Mail mit Betreff „dringend“ ans Büro nach England, wo gerade alles schläft, und wir machen uns trotzdem auf den Weg. Wir haben keine Zeit abzuwarten, irgendwie werden wir schon über die Grenze kommen. Die nächste Herausforderung wartet schon: der Lima Stadtverkehr. Dave überlässt mir das Lenkrad, da er chaotischen Verkehr in Großstädten hasst und liest mir, während ich mich durch den Verkehr drängle, stattdessen die Wegbeschreibung vor. Nach über einer Stunde wird es endlich ruhiger, auf der Panamericana geht es Richtung Norden. Unser erster Nachtstop ist ein kleines Restaurant direkt am Straßenrand. Wir schaufeln das Hühnchen mit Reis und Bohnen in uns hinein und...

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