Die Jagd nach dem flüchtigen Glück auf Reisen


Mein Name ist Lauren und ich bin süchtig nach kurzfristigem Glück.

Puh. Ich bin froh, dass ich das endlich loswerden konnte.

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Spass beiseite, aber es ist trotzdem ein Problem, mit dem ich mich in letzter Zeit viel beschäftigt habe. Es ist keine globale Angelegenheit, aber trotzdem etwas, was eng mit Reisen – und ganz speziell dem Abenteuerreisen – zusammenhängt.

Ich meine, warum stürzen wir uns nur an einem Seil befestigt von Brücken und raften einen krokodilverseuchten Fluss runter? Wieso wollen wir ständig neue Gerichte ausprobieren, eine weitere Landesgrenze überqueren oder Pfade bewandern, von denen wir nicht mal wissen, wohin sie führen?

Potentiell gibt es verschiedene Antworten auf diese Fragen. Reisen, Kultur und neue Erfahrungen erweitern unseren Horizont, sie lehren uns Demut, Geduld und Selbständigkeit.  Diese impulsiven Handlungen versorgen uns mit Geschichten, die wir später im Leben mit anderen teilen können. Und nicht zuletzt verwandelt uns Abenteuer in bessere, interessantere Versionen von uns selbst. Dank den Abenteuern fühlen wir uns lebendig.

Steckt da aber noch mehr dahinter? Man könnte meinen, dass Atmen, Sprechen, Fühlen und Herumlaufen klare Indikatoren dafür sind, dass man doch eben am Leben ist. Wenn ich am Morgen aufwache, vergesse ich sicherlich nicht, dass ich am Leben bin, ich muss dafür nicht erst einen neuen Stadtteil erkunden oder Klettern gehen.

Könnte es sein, dass uns Reisenden die traditionellen Indikatoren nicht mehr genügen? Hüpfen wir zwischen Ländern und Adrenalin-gefüllten Aktivitäten hin und her, weil wir genau diese Stromstösse des Lebens suchen und uns nicht mit einem stetigen Puls zufriedengeben wollen?

Sind wir süchtig nach diesem flüchtigen Glück?

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Ihr fragt euch vielleicht, warum ich diese Fragen überhaupt stelle. Eigentlich weiss ich das selber nicht so genau. Ich vermute, die Wurzel meiner Zweifel liegt bei der Tatsache, dass alles Kurzfristige typischerweise als schlecht angesehen wird.

Denkt mal darüber nach: Wer immer nur flüchtige Beziehungen eingeht, wird als unzuverlässig angesehen oder hat Angst vor Verpflichtungen. Hat man Gelegenheits- oder  Saisonjobs, werden die Karrierechance in der Regel beeinträchtigt. Es ist das Verlangen der meisten Menschen, ein langes Leben zu führen, dauerhafte Freundschaften zu pflegen, eine solide Arbeit zu haben und entscheidende Fähigkeiten mit wiederholtem Training zu perfektionieren.

Plus, niemand hat je gesagt: „Das ist ein ziemlich gutes Snickers, ich wünschte nur, es wäre kürzer.“

Trotz all dem – und ich denke da bin ich nicht allein – fühle ich mich gezwungen, den temporären Befriedigungen nachzujagen, anstatt mal etwas für einen späteren Nutzen zu opfern. Zum Beispiel kämpfe ich momentan damit, in Hanoi zu bleiben. Mein Plan war, für sechs Monate zu bleiben, Englisch zu unterrichten, neue Freundschaften zu knüpfen und eine Routine zu finden, die irgendwie einem normalen Tagesablauf ähneln würde. Dieser Plan wäre wohl gut für mich gewesen und noch besser für meine persönliche Entwicklung und Reife.

Aber das gewöhnliche Leben führt bei mir nicht zu Aufregung, die Aussicht darauf, neue, unbekannte Gebiete zu entdecken und mich frei bewegen zu können, jedoch schon. Das Ergebnis ist, dass es für mich unglaublich einfach ist, alles aufzugeben und wegzurennen, wenn die Zeiten hart oder – Gott bewahre – langweilig sind.  Für mich ist es schwierig, in der Blase des alltäglichen Lebens zu bleiben, wenn es anderswo diese Stromstösse zu finden gibt. Ich wende daher weniger Kraft auf, einen Konflikt zu lösen oder mich durch die weniger spannenden Abschnitt des Lebens zu kämpfen, weil ich unterbewusst bereits den Start in ein neues Abenteuer plane.

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Irgendwo zwischendrin habe ich vergessen, dass Unglücklich sein, genau wie Glücklich sein, ein essentieller Teil des Lebens ist – genauso wie Aufregung, Langeweile, Begeisterung, Frustration, Angst, Unbekümmertheit und Zweifel. Alle diese Dinge, und mehr, tragen dazu bei, dass wir uns in ausgewogene, weise und (hoffentlich auf lange Sicht) zufriedene Menschen verwandeln.

Wie bändigen wir also den Drang, dem Nervenkitzel nachzujagen? Und, sollen wir das überhaupt? Ist das denn wirklich so schlecht für uns?

Leider weiss ich die Lösung zu dieser Frage auch nicht wirklich. Ich habe euch keine Antworten versprochen – stattdessen mache ich mich auf den Weg um eine weitere Runde Bun Dau zu futtern, bevor ich meinen nächsten Ausflug nach Saigon, und dann für Songkran nach Thailand plane. Hanoi wurde etwas zu stabil für meinen Geschmack.

Übersetzt aus dem Original von Tiffany Wüest.


Author: Lauren Crabbe

Hey! I'm . I spend every second fantasising about travel, and occasionally actually hop on a plane and go abroad for indefinite periods of time. My goal is to create a sustainable and location-independent lifestyle, full of culture and adventures. I've been travelling throughout Asia and Europe since August 14, 2012. I also love reading, wine, and otters.

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