L.A. – Abseits des Verstörenden


Die Stadt sei verstörend und begeisternd zugleich, schrieb Jörg Häntzschel, Autor der Süddeutschen Zeitung – wer schon mal in Los Angeles war, der weiß genau, was er damit meinte. Ich hatte mit Los Angeles oder auch L.A. lange nur vollgestopfte Autobahnen, das riesige Hollywood-Schild und den Walk of Fame in Verbindung gebracht. Nichts also, was ich mir unbedingt mehrmals im Leben geben muss. Dann assoziierte ich mit der Stadt vielleicht noch Baywatch und die 90er-Jahre-Serie “Beverly Hills 90210”. Verstörendes also.

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Das ist die City of Angels – vom Griffith Observatory aus gesehen. Verstörend und bezaubernd zugleich.

Noch vor einigen Jahren hätte ich nie gedacht, dass ich einmal in Kalifornien leben würde, 150 Kilometer von der Zwölf-Millionen-Einwohner-Stadt Los Angeles entfernt. Jetzt lässt es sich nicht vermeiden, dass ich ab und zu nach L.A. muss. Sei es darum, einen geliebten Menschen aus der Heimat vom Flughafen abzuholen oder um eine neues Sofa zu kaufen. Nach L.A. zu fahren, bedeutet immer Stau. Das ist einer der Gründe, weshalb ich nicht aufgegeben habe, nach dem L.A. zu suchen, in das ich mich verlieben würde. Dem begeisternden L.A. also. Die Strapazen sollten sich schließlich lohnen.

Coolstes Viertel mit italienisch inspirierten Kanälen

Ich habe dieses L.A. gefunden. Es hat nichts mit dem Venice Beach zu tun, dessen Strandpromenade mit Souvenir-, Verkaufsständen und Touristenmassen überfüllt ist. Aber bei Venice Beach fange ich nun an. Venice wurde von Abbot Kinney, einem Zigarettenhersteller aus New Jersey, als Badeort mit italienisch inspirierten Kanälen gegründet. Und genau dieser Abbot Kinney ist der Namensgeber meiner absoluten Lieblingsstraße. Der Abbot Kinney Boulevard nennt sich selbst “the coolest block of America” (“das coolste Viertel Amerikas”) – wie ich finde, mit Recht.

Tom’s Flagship auf dem Abbot Kinney Boulevard ist nicht nur ein wunderschönes Café, sondern auch Schuh- und Sonnenbrillen-Laden in einem.

“Tom’s Flagship” auf dem Abbot Kinney Boulevard ist nicht nur ein wunderschönes Café, sondern auch Schuh- und Sonnenbrillen-Laden in einem.

Wer nach L.A. kommt, sollte unbedingt versuchen, den ersten Freitag eines Monats zu erwischen. Dann fahren ab 18 Uhr zahlreiche Food Trucks auf dem Abbot Kinney Boulevard auf. Vom typischen Hot-Dog-Truck über Sushi, Vietnamesisch, Koreanisch bis hin zum Eiscreme-Truck gibt es alles, was unter Fast Food dieser Welt vorstellbar ist. Der Boulevard füllt sich schnell mit Menschen, vor allem Einheimischen, die das erste Wochenende des Monats bei den Food Trucks beginnen und von dort aus ins Nachtleben schweifen. Am ersten Freitag eines Monats fahren die Food Trucks auf dem Abbot Kinney Boulevard auf.

Am ersten Freitag eines Monats fahren die Food Trucks auf dem Abbot Kinney Boulevard auf.

Am ersten Freitag eines Monats fahren die Food Trucks auf dem Abbot Kinney Boulevard auf.

Noch mehr liebe ich den Abbot Kinney Boulevard an einem gewöhnlichen Tag, wenn die Sonne die hübschen Hausfassaden in ein noch schöneres Licht taucht. Ich kann mich dann nicht entscheiden, ob ich meinen Soja Latte im witzigen Hinterhofgarten von “Toms Flagship” genießen will oder im modernen “Intelligentsia Coffee & Tea”, dessen Kaffee mir so gut schmeckt, dass ich mir die Bohnen mittlerweile nach Hause schicken lasse. Einen ganzen Tag könnte ich hier ohne Probleme verbringen, der – wenn nicht vor einem Food Truck – bei einem leckeren Abendessen im Restaurant “The tasting kitchen” endet.

Warum nur sehen die Wolken über dem Time Travel Market im Sunset Boulevard so aus, als würden sie sich gerade auf Zeitreise begeben?

Warum nur sehen die Wolken über dem “Time Travel Mart” im Sunset Boulevard so aus, als würden sie sich gerade auf Zeitreise begeben?

Auf der Suche nach etwas wirklich Kuriosem bin ich auf den “Time Travel Mart” auf dem Sunset Boulevard gestoßen. Hier gibt es herrlich nutzlose Dinge wie Robotertoupet, Barbar-Abwehrmittel, Urschleim in der Dose und vieles mehr. Dahinter steckt nicht nur eine alberne Idee, sondern ein tolles Projekt. Die Organisation 826LA wurde von dem Autor Dave Eggers gegründet, mit dem Hintergrund, Kindern und Jugendlichen unbezahlt Unterricht in kreativem Schreiben zu geben. Alle Bücher, die es im Time Travel Mart zu kaufen gibt, wurden von den Kindern geschrieben. 826LA gibt ihnen die Möglichkeit, ihre Geschichten zu publizieren. Der Klassenraum verbirgt sich hinter dem Shop, aber das wissen nur wenige Kunden.

Sam und Alex – sympathische Zeitreisende.

Sam und Alex – sympathische Zeitreisende.

Das Geld, das der Shop einnimmt, geht vollumfänglich in das Projekt und kommt somit den Kindern zugute. Sam Randozzo ist einer der Lehrer, der auch im Shop gemeinsam mit Hund Alex hinter der Ladentheke steht. „Viele Kinder haben durch ihre Produkte und Bücher ein Stipendium an einer Universität bekommen. Unter anderem haben die Kids eine CD produziert. Eines der Lieder wurde für den Soundtrack des Films “Immer Ärger mit 40” von Regisseur Judd Apatow ausgewählt“, erzählt Sam stolz. Logisch, dass die CD in meiner Handtasche landet. Ist ja für den guten Zweck. Übrigens zählt der Sunset Boulevard, zwischen Doheny Drive und Crescent Heights Avenue, zur heißen Nightlife-Szene L.A.’s und hier befinden sich auch die berühmten Rock-Bars “The Roxy” und “The Whiskey a go-go”.

Koreatown – ein echter Geheimtipp.

Koreatown – ein echter Geheimtipp.

Noch ein echter Geheimtipp ist Koreatown, das Viertel, das sich westlich von Downtown und südlich von Hollywood befindet. Hier gibt es unzählige Restaurants – für ein echtes koreanisches BBQ ist das Park’s zu empfehlen. Wie verschieden und dennoch einzigartig das Viertel ist, zeigt sich daran, dass das mexikanische Restaurant “Guelaguetza”, das zu den besten der Stadt zählt, ausgerechnet in Koreatown liegt. Die Koreatown Gallerie bietet wirklich ein Shopping-Erlebnis der anderen Art. Seventy High End Fashion, koreanische Leckereien, Kleider oder Mitbringsel, die es nur in Koreatown gibt – ein absolutes Sightseeing-Muss.

Koreatown - das etwas andere L.A.

Koreatown – das etwas andere L.A.

Downtown befindet sich das “Ace Hotel”, das im Januar 2014 Eröffnung im United Artists Building feierte. Es muss ja nicht gleich eine Übernachtung sein, ein Kaffee an der Cafébar reicht schon, um die gemütliche Atmosphäre aufzusaugen. Für mich ist es so gar nicht typisch für L.A., sondern eher so wie ich mir die Hotels in Berlin-Mitte vorstelle. Im Theater des Hotels tritt unter anderem das “Benjamin Millepied’s L.A. Dancers Project” auf. Die Ticketpreise sind absolut erschwinglich.

Im Park's gibt es das beste koreanische BBQ der Stadt. So heisst es.

Im “Park’s” gibt es das beste koreanische BBQ der Stadt. So heisst es.

Santa Monica ist bekannt für den Santa Monica Pier und die Shoppingstraße Third Street, aber ich mag viel lieber die Main Street, die sich „a world away from the ordinary, a block away from the beach“ (“eine Welt entfernt vom Gewöhnlichen, einen Block entfernt vom Strand”) befindet. Und dann gehört die Melrose Avenue in West Hollywood mit ihren verrückten Second-Hand-Läden einfach für mich zu L.A. dazu. Ich habe immer die Vorstellung, dass Michael Jackson hier für das “Thriller”-Video eingekleidet wurde …

Das Griffith Observatory zählt zu den wenigen bekannten Touristenattraktionen L.A.'s, die ich empfehlen möchte – aber nur bei toller Sicht.

Das Griffith Observatory zählt zu den wenigen bekannten Touristenattraktionen L.A.’s, die ich empfehlen möchte – aber nur bei toller Sicht.

Abseits des Trubels bietet L.A. überraschender Weise wunderbare Natur. Wer wissen will, weshalb die Stadt “City of Angels” (“Stadt der Engel”) heißt, begibt sich bei einem Tag mit guter Sicht in den Runyon Canyon oder in den Griffith Park. Dort befindet sich das Griffith Observatory und ja – es ist eine typische Touristenattraktion aber es lohnt sich, die Aussicht auf die umliegenden Hügel, L.A.’s Wolkenkratzer und – tatsächlich – schneebedeckte Bergspitzen zu genießen.

Es gibt noch viele Flecken in und um L.A., die ich mir unbedingt anschauen möchte. Dazu zählt beispielsweise auch die “Sunken City” (“Versunkene Stadt”) in der Nähe von Long Beach, was ich jetzt einfach mal zum erweiterten L.A. hinzuzähle. Vielleicht gibt es ja bald mehr davon hier zu lesen.

Author: Christine Eisenbeis

Tine schreibt. Sie glaubt nämlich, dass sie sonst nicht so viel kann. Eigentlich ist sie Sportjournalistin aber irgendwann stellte sie fest, dass sie immer dort wohnte, wo andere Ferien machen. Sie ist Autorin von "Im nächsten Leben werd' ich Spielerfrau. Ein Phänomen wird abgeschminkt" und schreibt auf ihrem Blog www.fitness-food-fairytales.com über Bewegung, Geniessen, Ernährung und andere Märchen. Sie arbeitet mittlerweile als freie Journalistin und PR-Texterin und lebt mit ihrem Mann, einem Meeresbiologen, in Santa Barbara, Kalifornien.

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