Mittagessen mit Gorillas


Dave von Infinite Adventures ist einer der Menschen, die seit fast einem Jahrzehnt auf Reisen sind. Was bewegt Menschen dazu, ein Nomadenleben zu führen und welche Geschichten haben sie zu erzählen? Ich bin neugierig und befrage Dave, den ich in Simbabwe kennengelernt und mit dem ich mittlerweile ein Tour-Unternehmen gegründet habe:

Warum ist Reisen wichtig für dich und wer hat die Leidenschaft dafür in dir entfacht?

Ich habe vier Geschwister und als Kind sind wir mit meinen Eltern so oft wie möglich zum Campen gefahren. Ich habe so viel Zeit in den amerikanischen Nationalparks und an der Westküste verbracht und habe tolle Kindheitserinnerungen. Als ich älter war, wollte ich einfach mehr von der Welt sehen und die Freiheit wieder spüren, die ich als Kind hatte.

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Wie hast du deinen Traum verwirklicht und Reisen zu einem großen Teil deines Lebens gemacht?

Das war in der Tat eine Aneinanderreihung von Umständen und die Unfähigkeit, mich zu entscheiden, was ich eigentlich im Leben wollte. Ich hatte angefangen zu studieren, mehrere Jobs ausprobiert und sogar zusammen mit ein paar Freunden ein Restaurant aufgemacht. Aber als meine Mutter an meinem 25. Geburtstag starb, habe ich endgültig den Entschluss gefasst, die Welt zu sehen. Und zwar eher als die meisten Durchschnitts-Amerikaner, die das erst im Rentenalter machen. Allerdings hatte ich nicht die finanziellen Mittel, um mir den Traum vom Langzeitreisen zu verwirklichen. Da erzählte mein Cousin mir von einem Reiseunternehmen, das auf der Suche nach Reiseleitern war: Reisen, andere Menschen von fremden Kulturen begeistern und dafür bezahlt werden! Seit 2005 bin ich nun mehr oder weniger unterwegs. Erst in Nordamerika, dann Afrika und Südamerika und ein “normaler Job” reizt mich einfach immer noch nicht.

Was ist die größte Herausforderung beim Langzeitreisen?

Ehrlich gesagt, ist die größte Herausforderung, nach einer ausgedehnten Reisezeit zurückzukommen und länger als ein paar Wochen an einem Ort zu leben. Wenn du unterwegs bist, dann sieht, lernt und erfährt man neue Dinge – jeden Tag. Wenn ich an einem Ort lebe, bringt mich die Monotonie fast um. Versteh mich nicht falsch, es gibt sicher Annehmlichkeiten und Dinge, die ich vermisse. Aber derzeit überwiegen für mich die Vorteile des Reisens deutlich: Es wird nie langweilig und die Gefahr, dass ich zu viel Zeit auf dem Sofa verbringe, besteht erst gar nicht.

Was ist dein tollstes Reiseerlebnisse?

Oh je, da gibt es zu viele Geschichten und Erlebnisse aus den letzten Jahren. Aber ich erzähle gerne meine Lieblingsgeschichte zum Thema Tierbeobachtung: meine Begegnung mit den Berggorillas in Ruanda. Wir starteten früh am Morgen und konnten die Spannung regelrecht in der Luft spüren. Dies war das Erlebnis, auf das wir alle seit Wochen warteten. Ich konnte es kaum erwarten, durch den “Volcanoe National Park” zu wandern, wo Dian Fossey Jahre verbrachte, um die Berggorillas zu erforschen und schließlich Teil der Gorilla-Familie wurde. Nachdem wir zwei Stunden auf und ab durch den Matsch im Regenwald am Rande des Vulkans gestapft waren, entdeckten wir schließlich die Gorillas. Im perfekten Moment wichen die Wolken und es hörte auf zu regnen: Zeit, unsere neuen Freunde kennen zu lernen. Zunächst rieten uns die Guides, in einer Reihe hintereinander zu laufen, aber je näher wir den Riesen kamen, desto aufgeregter wurden wir und tanzten aus der Reihe, um die besten Fotos zu bekommen. Im dichten Urwald war es gar nicht so einfach, ein gutes Bild zu schießen. Aber die Gorillas taten uns einen Gefallen und zogen ein Stück weiter auf eine Lichtung. Auch wenn die Regel hieß, fünf Meter Abstand zu halten, die Gorillas hielten sich nicht daran. Und wir konnten nicht genug davon bekommen, die “Kleinen” beim Spielen zu beobachten. Jedes einzelne Tier kam näher und es fühlte sich so an, als ob sie uns begrüßten. Wusstest du, dass jeder Gorilla eine einzigartige Nase hat, ähnlich wie unser Fingerabdruck? Zu guter Letzt beschloss der Silberrücken, sich doch tatsächlich direkt neben mich zu setzen und sein Mittagessen zu genießen. Ich gebe zu, das war gleichzeitig faszinierend und furchteinflößend.

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Derzeit leistest du Touren in Alaska – was fasziniert dich daran am meisten?

Alaska ist einer der letzten Orte auf dieser Erde, der Wildnis pur ist. Ungezähmt und voll von wilden Tieren. Was will man mehr, wenn du an einem Tag, Bären beobachten kannst und das vor einer einzigartigen Landschaftskulisse? Abends sitzen wir dann ums Lagerfeuer und erzählen Geschichten – umgeben von Wildnis so weit das Auge reicht.

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Author: Natalie Morawietz

Natalie brach Ende 2010 auf, um für ein halbes Jahr in Westafrika zu backpacken. Nachdem sie die Freiheit unter den Füssen spürte, gab es kein zurück in den alten Bürojob und sie bewarb sich als Overland Tourleader. Seitdem fuhr sie Overland Trucks von Kairo bis Kapstadt und Rio de Janeiro bis Quito. Nach dem Umbau eines alten US Schulbusses in ein Overland Fahrzeug (und der Firmengründung von Infinite Adventures zusammen mit Dave, den sie in Afrika kennen gelernt hat), ist Natalie wieder „on the road“. Diesmal in der Wildnis Alaskas! Deutsche Website zu finden unter www.abenteueralaska.de

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