Philippinen extrem: Triathlon unter tropischem Feuerball


Schon um 10 Uhr morgens brennt die philippinische Sommersonne unerbärmlich heiß auf uns herab. Es ist “race day”, und beim Defy 123 Triathlon auf Bohol müssen die Athleten nach 1 km Schwimmen im offenen Meer auf´s Rad wechseln, um 110 km runterzukurbeln. Danach warten noch 12 km Laufen, vorbei an Palmen, neugierigen Filipinos, am malerischen Doljo Beach entlang, und das alles immer unter dem heißen tropischen Feuerball. Viele von uns werden ihm von nun an mindestens fünf Stunden lang ausgesetzt sein – die Hitze wird uns auch dieses Mal an unsere Grenzen der Erschöpfung bringen. Wieder einmal sind ein paar hundert Menschen nach Panglao Island gereist, um ihrer Leidenschaft nachzugehen: um zu schwimmen, zu radeln und zu laufen.

Panglao Island, Bohol

Panglao Island auf Bohol ist nicht nur bei strandverliebten Sonnenanbietern bekannt sondern auch bei vielen Triathleten

Triathlon boomt auf den Philippinen, und die Filipinos gehören zu den Menschen, die verrückt nach diesem (nicht mehr ganz so) neuen Sport sind. Kein Wunder, da die mehr als 7000 Inseln einen perfekten Spielplatz bieten, auf dem sich die Sportler ausgiebig austoben können. Der erste Ironman fand 1978 auf Hawaii statt und mittlerweile gibt es unzählige Rennen weltweit. Der Ironman 70.3 Cebu gehört zu den beliebtesten Veranstaltungen in Asien und stellt nicht nur für viele philippinische Triathleten das Hauptereignis des Jahres dar.

Der Defy 123 Bohol wurde im vergangenen Jahr hier auf den Inseln zum beliebtesten Event gewählt. Einen Tag nach dem Spektakel wurde Bohol vom stärksten Erdbeben seit mehr als 20 Jahren heimgesucht, worüber ich hier ausführlicher geschrieben hatte. In diesem Jahr wird ein Teil der Einnahmen in den Wiederaufbau zerstörter Strukturen gesteckt.

Diese Gegend in den Visayas zieht sonst viele Taucher an, da es hier einige der besten Tauchplätze der Philippinen gibt. Balicasag Island ist zum Beispiel ein beliebtes Reiseziel mit einzigartigen Tauchplätzen. Doch auch immer mehr Backpacker zieht es nach Bohol zu den weltberühmten Chocolate-Hills, zu den als kleinste Affen der Welt bekannten Tarsiern oder auch zum Loboc River. Und dann sind da eben auch noch die Abenteuerurlauber und Extremsportler wie unsereins.

Jeder Triathlon ist wie eine kleine Reise

Als ich bei der Vorbereitung auf die 123 Kilometer teilweise fünf Stunden lang auf dem Rad verbracht habe, die Kräfte nachließen und die Schmerzen größer wurden, tauchten bei mir immer wieder Fragezeichen auf. Wozu das Ganze? Weshalb diese Quälerei? Wieso nicht einfach am nahegelegenen Alona Beach abhängen und einen kühlen Cocktail schlürfen, so wie es tausende andere Touris auch machen?

Und spätestens dann, wenn ich über die Ziellinie laufe und angekommen bin, weiß ich wieder, warum das alles. Jeder Triathlon ist wie eine kleine Reise, die aus mehreren Etappen besteht: Du suchst dir ein Rennen aus, trainierst wochenlang fast täglich dafür und erkundest dabei deine Umwelt. Beim Schwimmen im Meer, Radfahren und Laufen auf den vielen Inseln. Vor allem die Kinder kommen aus dem Staunen oft gar nicht mehr heraus und sind auch diejenigen, die dich beim Wettkampf anfeuern und motivieren.

Hunat Sugbu Triathlon 2013

Auch das bedeutet Triathlon auf den Philippinen: viel philippinische Gelassenheit und Improvisationskunst. Hier beim Hunat Sugbu Triathlon in Oslob, Cebu 2013

Seit März letzten Jahres war ich bei einem halben Dutzend Triathlons am Start, und jedes Mal war es ein großes Abenteuer. Die Atmosphäre ist immer außerordentlich freundlich, die Gemeinschaft der Triathleten ist wie eine große philippinische Familie. Einer der skurrilsten Momente: Affen auf der Radstrecke mitten im Dschungel, als ich mit 70 Sachen einen der Hügel an der Subic Bay heruntergerast bin. Was die sich bei meinem Anblick wohl gedacht haben mögen?

Das Rennen im Februar wurde übrigens von der “Challenge Family” veranstaltet – einem deutschen Anbieter, der auch jährlich den größten und schnellsten Langdistanz-Triathlon in Roth bei Nürnberg organisiert. Für 5000 Menschen heißt es auch im Juli 2014 am “längsten Tag des Jahres” wieder 3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren und 42,2 km Laufen – die Königsdisziplin im Triathlonsport.

Challenge Philippines 2014, John Rueth

Challenge Philippines im Februar 2014, Subic Bay

Auch die nächste “Challenge Philippines” verspricht im kommenden Februar wieder ein großer Erfolg zu werden – dieser Triathlon gilt als der derzeit härteste über die halbe Ironman-Distanz (1,9 km Schwimmen, 90 km Radfahren und 21,1 km Laufen) mit sieben Hügeln auf der Radstrecke, die wirklich eine große Herausforderung sind.

Ich werde nicht dabei sein, weil ich mich vor Ort in Melbourne auf meine erste Langdistanz im März vorbereite. Aber im April 2015 kehre ich wieder auf die Inseln zurück, um meiner Leidenschaft nachzugehen, um zu schwimmen, zu radeln und zu laufen.

In den letzten Wochen haben mir ein paar Begeisterte geschrieben, die ebenfalls vom Triathlonfieber gepackt wurden. Sie möchten die Philippinen auch einmal “etwas anders” erleben und vor Ort trainieren. Wer weiß, vielleicht bekommen wir ja nächstes Jahr eine kleine verrückte Gruppe zusammen, um gemeinsam auf Tour zu gehen? Bei Interesse könnt ihr euch gerne einfach bei mir melden, damit wir uns gemeinsam auf das nächste Event vorbereiten und dabei Land und Leute aus spannend außergewöhnlichen Perspektiven entdecken.

Author: John Rüth

ist ein ewiger Vagabund, der ein Studium der Geschichte und Philosophie an der LMU München absolviert hat und seit März 2013 quer durch die Philippinen reist – meistens auf seinem Trekkingrad. Seine Leidenschaft für´s Reisen hat ihn schon in viele europäische Städte geführt und auch in weitere Länder Südostasiens wie Vietnam, Kambodscha und Thailand. Derzeit ist der deutsch-philippinische Mischling zum mittlerweile zwölften Mal auf den philippinischen Inseln unterwegs, nimmt an so vielen Triathlons und Marathons wie möglich teil, arbeitet als selbständiger Internetunternehmer und schreibt nicht nur auf VagabundoMagazine sondern vor allem auch auf www.philippinen-tours.de und www.reise-typ.de über seine Abenteuer.

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